Flüchtlinge im Mittelmeer : Italienische Küstenwache rettet 1300 Menschen in Seenot

Die Zahl der Bootsflüchtlinge steigt wieder. Jetzt sind allein an einem Tag weit mehr als 1000 Migranten aus dem Mittelmeer gerettet worden.

In Sicherheit. Immer wieder müssen in Seenot geratene Flüchtlinge gerettet werden (Archivfoto).
In Sicherheit. Immer wieder müssen in Seenot geratene Flüchtlinge gerettet werden (Archivfoto).Foto: Gabriel Bouys/AFP

Die italienische Küstenwache hat zusammen mit anderen Helfern allein am Samstag mehr als 1300 Bootsflüchtlinge im Mittelmeer gerettet. An insgesamt elf Einsätzen zwischen Sizilien und der nordafrikanischen Küste waren nach Angaben der Küstenwache auch die EU-Mission Eunavfor Med, die maltesische Flüchtlingshilfe Moas und das Schiff eines Privatmanns beteiligt. Während der Flüchtlingszustrom nach Griechenland im Zuge des Abkommens der EU mit der Türkei zurückging, steigt die Zahl der Bootsflüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Italien gelangen wollen.

Fast 49.000 Bootsflüchtlinge erreichten seit Jahresbeginn Italien, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitteilte. Die Überfahrt nach Italien, meist in überfüllten Schiffen aus Nordafrika, ist besonders gefährlich. Seit 2014 sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 10.000 Menschen auf der Flucht nach Europa im Mittelmeer ertrunken, oder sie gelten seither als vermisst.

Schleuser profitieren von Rettungseinsätzen

Die europäischen Einsätze zur Rettung von Migranten spülen allerdings einer Studie zufolge vor allem Geld in die Taschen von Menschenschmugglern. Zu diesem Schluss kommen Wirtschaftswissenschaftler der Universität Palermo. Ihre Untersuchung zeige, dass „militärische Patrouille-Einsätze im Mittelmeer die Zahl der Ankünfte (von Migranten) erhöht haben, und damit einen Anreiz und einen positiven Faktor für das Geschäft der Schleuser darstellen“, heißt es in einer Präsentation der noch unveröffentlichten Studie, die der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Indem die Rettungsmissionen die Sicherheit der Überfahrt erhöhen, machten sie die Dienste der Schleuser attraktiver und befeuerten deren Geschäft.

Der Flüchtlingszustrom aus der Türkei nach Griechenland bleibt unterdessen niedrig. Von Freitagmorgen bis Samstagmorgen seien nur fünf Migranten aus der Türkei eingetroffen, teilte der Stab für die Flüchtlingskrise am Samstag in Athen mit. In den ersten elf Junitagen seien im Durchschnitt täglich knapp 27 Migranten angekommen, insgesamt 296. Zum Vergleich: Im Februar kamen täglich rund 2000, im März 870, im April 120 und im Mai 55 Schutzsuchende an. dpa

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