Flüchtlingsdrama : In der Wüste ausgesetzt

Internationale Hilfsorganisationen werfen den marokkanischen Behörden vor, illegal eingereiste Afrikaner ohne Wasser und Nahrung am Rande der Sahara auszusetzen.

Madrid/Rabat - Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) spürte nach eigenen Angaben in einem Wüstengebiet im Osten Marokkos an der algerischen Grenze über 500 mittellose Afrikaner auf. Darunter seien schwangere Frauen, Kinder, Kranke und Verletzte, teilte MSF-Sprecher Carlos Ugarte in Madrid mit.

Die Flüchtlinge seien von der marokkanischen Polizei in den Wäldern bei Melilla aufgegriffen worden. Dort wollten sie über die Grenze auf spanisches Gebiet gelangen. Ein Kongolese berichtete der Zeitung «El País» per Handy, die Gruppe sei mit 15 Bussen in die Wüste gebracht worden. «Wir sehen vor uns nichts als Sand, Steine und sehr viel Sonne.»

Bisher hatte die Polizei aufgegriffene Afrikaner bei der Grenzstadt Oujda abgesetzt. Von dort liefen jedoch viele Flüchtlinge zu Fuß die 160 Kilometer nach Melilla wieder zurück. Um dies zu verhindern, lässt die Polizei die «Illegalen» nun offenbar 500 Kilometer weiter südlich bei Taouz absetzen.

«Marokko deportiert die Immigranten in Gebiete, wo ihr Leben in Gefahr ist», sagte der MSF-Sprecher. «Daran muss die spanische Regierung bei der Abschiebung von Afrikanern denken.» Rabat gab zu den Vorwürfen keine Stellungnahme ab. Marokko hatte sich zuletzt häufig darüber beklagt, dass Algerien kaum etwas zur Bewältigung des Flüchtlingsproblems beitrage und die Europäische Union keine ausreichende Hilfe zur Verfügung stelle.

Seit Jahresbeginn hatten über 13 000 Afrikaner versucht, von Marokko über die Grenzzäune in die spanische Stadt Melilla zu stürmen. Rabat erklärte sich am Mittwoch bereit, im Rahmen einer Sonderregelung Flüchtlingen aus Drittstaaten die Einreise zu gestatten, sofern diese aus dem nordafrikanischen Staat illegal nach Spanien eingedrungen waren.

Am Donnerstag waren bei einem Flüchtlingsansturm auf Melilla sechs Afrikaner ums Leben gekommen. Die Opfer wurden nach Angaben des marokkanischen Innenministeriums durch Schüsse von Grenzbeamten getötet oder zu Tode getrampelt. Die Grenzposten hätten sich angesichts des Massenansturms zur Wehr setzen müssen, hieß es. Das Flüchtlingsdrama vor den Exklaven Melilla und Ceuta kostete seit Ende August 14 Afrikaner das Leben. (tso/dpa)

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