Politik : Flüchtlingsdrama: Tausende fliehen vor Angriffen und Verhaftungswellen

Das Flüchtlingsdrama im westafrikanischen Guinea hat sich bis Montag weiter zugespitzt. Nach Meldungen der britischen BBC flohen Tausende von Flüchtlingen aus den benachbarten Konfliktländern Liberia und Sierra Leone vor den Angriffen und Verhaftungswellen guineischer Sicherheitskräfte. Rund 700 Menschen suchten in der Nacht Schutz auf dem Gelände der Botschaft Sierra Leones in der guineischen Hauptstadt Conakry. Der Botschafter appellierte an das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), den Flüchtlingen zu helfen. Tausende von Menschen seien mitten in der Regenzeit aus ihren Behausungen vertrieben und ausgeplündert worden. Es gab Anschuldigungen, nach denen die Sicherheitskräfte Flüchtlinge geschlagen hätten. Zivilisten unterstützten sie dabei.

In einer Rundfunkansprache vom Sonnabend hatte der guineische Präsident Lansana Conte die Vertriebenen aus Liberia und Sierra Leone beschuldigt, Mitverantwortung für die jüngsten Rebellenangriffe im Grenzgebiet des westafrikanischen Staates zu tragen. "Ich befehle, dass wir alle Ausländer zusammenbringen, so dass wir wissen, was sie tun, und dass wir sie durchsuchen und alle Verdächtigen festnehmen", sagte Conte. Daraufhin waren zahlreiche Menschen in öffentlichen Gebäuden oder auf Plätzen zusammengepfercht worden.

Nach Schätzungen des UNHCR sind rund 330 000 Menschen seit Beginn des neunjährigen Bürgerkriegs in Sierra Leone nach Guinea geflohen. Das UNHCR sprach sich jüngst dafür aus, die Zivilisten nach ihrer Einreise von den Rebellenkämpfern zu trennen, um politischen Spannungen vorzubeugen. Rund 125 000 Flüchtlinge aus Liberia sind nach UN-Schätzungen auch nach Ende des Bürgerkriegs in ihrer Heimat vor drei Jahren nicht zurückgekehrt. Guinea mit seinen sieben Millionen Einwohnern beherbergt die größte Anzahl von Vertriebenen, die ein afrikanisches Land bisher aufgenommen hat. Der Informationsminister Sierra Leones, Julius Spencer, erklärte im BBC-Radio, eine Rückführung der Flüchtlinge müsse schnellstmöglich eingeleitet werden.

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