Flüchtlingskrise im Mittelmeer : Unterwegs mit der deutschen Marine

1200 Flüchtlinge hat die „Werra“ bereits gerettet. Das Versorgungsschiff der deutschen Marine patrouilliert seit Juni vor der libyschen Küste. Kapitän Stefan Klatt und seine Besatzung suchen aber längst nicht nur nach Schiffbrüchigen. Lesen Sie hier einen Auszug und den vollständigen Beitrag im digitalen Kiosk Blendle.

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Kommandant Stefan Klatt (sitzend) und seine Besatzung haben es im Mittelmeer auf die Schleuser abgesehen.
Kommandant Stefan Klatt (sitzend) und seine Besatzung haben es im Mittelmeer auf die Schleuser abgesehen.Foto: Arne Bensiek

Als wären die zwei Meter hohen Wellen nicht genug. Von Süden her, wo Libyen liegt, bläst ein Sandsturm über das Meer, dass der Himmel zu glimmen scheint. Die Sicht beträgt nur wenige Kilometer. „Ein Schlauchboot, randvoll beladen mit Menschen, hätte jetzt keine Chance, das Mittelmeer zu überqueren“, sagt Kommandant Stefan Klatt.

Umgeben von Soldaten steht Kapitän Klatt auf der Brücke des Versorgungsschiffs „Werra“, zieht an einer E-Zigarette und schaut hinaus auf die schäumende See. Klatt hat das Vorderdeck des deutschen Marineschiffs für die Besatzung gesperrt, die vier Seewachen von ihrem Ausguck abgezogen – unendlich viele Fliegen sind mit dem Sandsturm übers Meer gekommen.

Mit Flüchtlingen in Seenot oder Schleusern ist an diesem stürmischen Herbsttag nicht zu rechnen. Militärpfarrer Kristian Lüders, runde Brille, Uniform, ist dennoch beunruhigt. Von der Brücke aus hat er beobachtet, wie ein Falke auf dem Kran des Vorderdecks gelandet ist. Offenbar ist der Jagdvogel im Sandsturm orientierungslos aufs Meer hinausgeflogen – das Schiff seine Rettung. Was dem Militärpfarrer gar nicht behagt, ist die Symbolik. „Am Anfang unseres Einsatzes ist uns noch eine Taube zugeflogen“, sagt Lüders.

Seit dem 7. Oktober befindet sich der militärische Einsatz der Europäischen Union zur Bekämpfung von Schleuserkriminalität im Mittelmeer in seiner zweiten Phase. Der Tender „Werra“ und die Fregatte „Schleswig-Holstein“, die für die Bundeswehr vor der Küste Libyens patrouillieren, sollen nun nicht mehr nur Seenotrettung leisten für schiffbrüchige Flüchtlinge und möglichst viele Informationen sammeln über Netzwerke der Schleuser. Die Marineschiffe der Mission Eunavfor Med haben nun auch das Recht, Schleuser gezielt zu jagen und festzusetzen, sobald diese sich außerhalb nationaler Hoheitsgewässer befinden.

„Ich finde, dass Europa die Seenotrettung im Mittelmeer gut zu Gesicht steht“, sagt Kommandant Stefan Klatt. Niemand dürfe aber vergessen, dass das primäre Ziel der Mission die Bekämpfung von Schleuserkriminalität sei. Neun statt zuvor vier Schiffe kreuzen mittlerweile im südlichen Mittelmeer auf einer Fläche so groß wie Deutschland. Helikopter halten in der Luft Ausschau.

1186 Flüchtlinge aus sechs verschiedenen Booten hat die „Werra“ vor dem Ertrinken gerettet, seit sie im Juni den Heimathafen in Kiel verlassen hat. Auf dem Achterdeck, das im Normalbetrieb für die Starts und Landungen von Hubschraubern vorgesehen ist, wurden die Flüchtlinge in einem Zelt versorgt und dann sicher nach Sizilien gebracht. Jetzt sollen Kapitän Klatt und seine Besatzung zeigen, dass sie auch die Schleuser fangen können. Beim Auslaufen aus dem Hafen von Augusta in Sizilien hat der Kommandant seine knapp 100 Frauen und Männer an Bord mit fester Stimme eingeschworen – und dann gesagt: „Ich hoffe, dass wir einen Schleuser fangen, denn das trauen uns viele gar nicht zu.“

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