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Flüchtlingskrise : Schweden führt ab Donnerstag wieder Grenzkontrollen ein

Weil die Zahl von 80.000 Flüchtlingen seit September eine "Gefahr für die öffentliche Ordnung" bedeute, kontrolliert Schweden wieder seine Grenzen. Die Maßnahme soll auf zehn Tage befristet sein.

Ein Polizist am Bahnhof von Stockholm im Gespräch mit Flüchtlingen. Foto: Jonas Ekstromer/dpa
Ein Polizist am Bahnhof von Stockholm im Gespräch mit Flüchtlingen.Foto: Jonas Ekstromer/dpa

Schweden führt wegen der Flüchtlingskrise vorübergehend wieder Grenzkontrollen ein. Die "Rekordzahl" eintreffender Flüchtlinge stelle eine "Gefahr für die öffentliche Ordnung" dar, teilte die Regierung am Mittwochabend in Stockholm mit.

Ab Donnerstag um 12 Uhr müssen Reisende an der schwedischen Grenze wieder ihren Pass vorzeigen, wie Innenminister Anders Ygeman ankündigte. Die Maßnahme sei vorerst auf zehn Tage befristet. Betroffen seien die Zug- und Autotrassen auf der Øresundbrücke sowie die Fährverbindungen in Südschweden.

Der Stopp an der Grenze soll vor allem der Migrationsbehörde etwas Luft verschaffen. Seit September sind 80.000 Asylbewerber ins Land gereist. An den Grenzstationen herrschen zum Teil chaotische Zustände. Die Kontrollen sollen einen mehr geordneten Empfang ermöglichen.

"Wir haben eine Situation, wo die Menschen gezwungen sind, vor unseren Büros in Zelten zu schlafen", sagte Mikael Hvinlund von der Migrationsbehörde. "Auf den Bahnhöfen und Fährterminals verschwinden jeden Tag Alleinreisende." Seine Behörde wolle sich jetzt darauf konzentrieren, Kinder ohne Begleitung und Familien herauszufiltern, damit diese möglichst schnell Schutz erhalten.

Schwedens Innenminister Anders Ygeman verkündet am Mittwoch, dass vorübergehend wieder Grenzkontrollen eingeführt würden. Foto: dpa
Schwedens Innenminister Anders Ygeman verkündet am Mittwoch, dass vorübergehend wieder Grenzkontrollen eingeführt würden.Foto: dpa

Schweden nimmt relativ gesehen von allen EU-Ländern die meisten Asylbewerber auf und hat zunehmend Schwierigkeiten mit der Unterbringung. Migrationsminister Morgan Johansson hatte vor einigen Tagen erklärt, Schweden könne Flüchtlingen keine Unterkunft mehr garantieren. Neuankömmlinge müssten nach Dänemark oder Deutschland zurückkehren oder sich selbst eine Unterkunft suchen. "Wir haben die Grenze des Machbaren erreicht", sagte der Minister. Wie auch Italien und Griechenland hat Schweden bei der EU-Kommission beantragt, dass andere EU-Länder Flüchtlinge von dort aufnehmen.

Wegen des großen Flüchtlingsandrangs hatten bereits mehrere Länder, unter ihnen Deutschland, vorübergehende Grenzkontrollen eingeführt. Flüchtlinge aus Richtung Südeuropa erreichen Schweden unter anderem über Deutschland, von wo es mehrere Fährverbindungen in das skandinavische Land gibt. Die Bundesrepublik hat wegen der Krise Kontrollen an der österreichisch-bayerischen Grenze wiedereingeführt.

Schweden ist neben Deutschland besonders stark von der Einwanderungswelle betroffen und hat ebenfalls ein vergleichsweise liberales Asylrecht. Der Staat ist Mitglied des Schengen-Raumes, in dem es normalerweise keine Grenzkontrollen mehr gibt. Das kontrollfreie Reisen hat in Skandinavien aber eine längere Tradition als im Rest Europas: Die nordischen Staaten verständigten sich darauf bereits in den 50er Jahren. (dpa/AFP/Reuters)

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