Flüchtlingsunterbringung in Berlin : Der Senat muss die Kosten offenlegen

Unter Hausbesitzern herrscht Goldgräberstimmung. Wer kann, bietet dem Senat Wohnraum als Flüchtlingsunterkunft an. Der Senat muss offen legen, was er dafür bezahlt, meint unsere Kolumnistin.

von
Barbara John, Tagesspiegel-Kolumnistin und frühere Ausländer-Beauftragte des Berliner Senats.
Barbara John, Tagesspiegel-Kolumnistin und frühere Ausländer-Beauftragte des Berliner Senats.Foto: dpa

Was ist heute der Bau eines Fünf-Sterne-Hotels gegen die Vermietung eines aufgemöbelten Altbaus für Flüchtlinge? Lohnt sich nicht mehr. Flüchtlinge sind derzeit ein gutes Geschäft: für die Schleppermafia rund ums Mittelmeer und auch für Unterbringer in Deutschland. Wer ein Gebäude besitzt, seien es Bürobauten, Wohnhäuser, Hotels, Pensionen oder kaufen kann (Immobilienmakler), der bietet sie den Kommunen an. Viele wissen einfach nicht wohin mit den vielen Asylbewerbern und den schon Anerkannten. Berlin gehört dazu. 50 bis 70 neue Bewerber stehen jeden Werktag vor der Tür des Landesamts für Gesundheit und Soziales. Jeder hat Anspruch auf sechs bis neun Quadratmeter mit Bett, Tisch und Stuhl. Welcher Anbieter wäre da nicht willkommen bei der Behörde?

Die Anbieter reizen die Preise aus

Das wissen sie und reizen ihre Preise marktgerecht aus. Pro Person kostet die Unterbringung zwischen acht und 36 Euro täglich, ohne Verpflegung. In Hostels, viele entstehen gerade, sogar bis zu 50 Euro. Berichtet wurde, dass selbst das Bett in einer Traglufthalle in Berlin pro Person 27 Euro einbrachte. Gewünscht werden von den Beherbergungsbetrieben auch möglichst lange Vertragslaufzeiten.

Warum aber bleiben solche Fakten vor der Öffentlichkeit weitgehend verborgen? Warum gibt es keine Asylberichte, wie sie einige Kommunen längst haben? Schließlich ist es das Geld der Bürger, die sich in der Flüchtlingsarbeit so vorbildlich engagieren oder auch darüber echauffieren. Sie werden zwar informiert, wo sich Heime befinden oder wo sie entstehen. Sie sollten aber auch die Kosten kennen. Das macht sie kritischer, wenn die angebotenen Leistungen nicht stimmen. Und wer sich über die Flüchtlinge aufregt, lernt, wer eigentlich die Profiteure sind.

Die Bürger sollten die Kosten der Flüchtlingsunterbringung kennen

Längst nicht alle Unterbringer gehören dazu. Gemeinnützige eher nicht. Was sie verdienen, fließt zurück in soziale Arbeit. Aktuell aber braucht Berlin gewerbliche Heimbetreiber, die das Flüchtlingselend und die Notlage nicht goldrauschgierig machen. Das kann öffentliche Transparenz leisten, denn Flüchtlingspolitik braucht viel Akzeptanz.

2 Kommentare

Neuester Kommentar