Politik : Flugaffäre: Scharping gegen London

Robert von Rimscha

Um 12 Uhr 16 am Dienstag kniete Paul Breuer vorn in der ersten Reihe des Plenarsaals des Bundestages hinter zwei der blauen Sessel nieder. Zu seiner Rechten saß Unions-Fraktionschef Friedrich Merz. Links saß Hans-Peter Repnik, der Parlamentarische Geschäftsführer der Union. Breuer beugte sich vor, die drei steckten die Köpfe zusammen und tuschelten. Breuer ist der Verteidigungsexperte der Union. Was er seiner Führung zu sagen hatte, steckte voller Brisanz. Breuer berichtete vom Verlauf der vormittäglichen Sitzung des Verteidigungsausschusses, des zweiten Teils der am Montag unterbrochenen Scharping-Debatte.

Der Verteidigungsminister hatte in der vertraulichen Runde eine Begründung für das geliefert, was als sein "Geheimnisverrat" seit Tagen durch die Presse geistert. Diese Begründung hatte es in sich: Er habe gegen den Rat der militärisch Verantwortlichen die Route des Einmarsches der deutschen Soldaten nach Mazedonien preisgegeben, so der Minister, um einem britischen Sabotageversuch zuvorzukommen. Die Briten nämlich hätten zugesagte Hilfe verzögert und beide möglichen Einmarsch-Wege ins Land für zu riskant erklärt. Beim vorgesehenen, Blace, seien massive Blockaden zu erwarten. Der zweite sei vermint. Die Briten hätten kein Interesse daran gehabt, dass die Deutschen sich an der zweiten Phase der Entwaffnungsaktion beteiligten. Deutschland habe sich nicht einschüchtern lassen wollen, daher die klare Benennung des Marschweges, deutete Scharping in der Sitzung an. Die Affäre um seine Flüge sei nun, durch einen unglückseligen Akt der Verteidigung, auf eine ganz neue Ebene geraten, sagte Breuer. "Wenn die Begründung für seinen Verrat öffentlich wird, dann ist das ein Rücktrittsgrund".

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