Flugsicherheit : Flüssigkeiten im Handgepäck bald wieder erlaubt?

An europäischen Flughäfen werden täglich Millionen von Flaschen, Tuben und Cremetöpfchen eingesammelt. Grund: Sie enthalten mehr als 100 Milliliter Flüssigkeit und verstoßen damit gegen Anti-Terror-Bestimmungen der EU. Wie lange noch?

Jutta Hartlieb[AFP]
Handgepäck
Reisende dürfen im Handgepäck derzeit nur kleine Fläschchen oder Tuben mitnehmen. -Foto: dpa

StraßburgFür eine Gruppe italienischer Pilger endete die Wallfahrt nach Lourdes unlängst mit einer herben Enttäuschung. Am Flughafen des südfranzösischen Städtchens Tarbes mussten sie das Weihwasser abgeben, das sie eigentlich mit nach Hause nehmen wollten. Schuld daran ist die im Zuge der Terror-Bekämpfung erlassene EU-Verordnung vom vergangenen November, die Passagiere und Flughafenbetreiber gleichermaßen verärgert. Demnach dürfen Reisende in ihrem Handgepäck nur noch kleine Fläschchen oder Tuben, etwa mit Parfüm, Zahnpasta oder Hautcreme, mitnehmen - und dies in einer durchsichtigen, wiederverschließbaren Plastiktüte mit einem Volumen bis zu einem Liter.

Weil nicht nur Pilger, sondern auch zahlreiche andere Reisende die Vorschrift nicht genau kennen oder zu umgehen versuchen, werden an den europäischen Flughäfen derzeit täglich Millionen von Flaschen, Tuben und Cremetöpfchen eingesammelt. Allein am Frankfurter Flughafen landen täglich gut drei Tonnen an eingesammelten Getränken und Kosmetikartikel im Müllcontainer, wie Airport-Sprecher Wolfgang Schwalm sagt. Besonders "unkomfortabel" sei die Situation für Transit-Passagiere, die ihre beim Abflug im Duty-free-Laden gekauften Flaschen mit Wodka und anderen Spirituosen beim neuen Einchecken zurücklassen müssten. Die seien oft "reichlich erbost", was wiederum "Erschwernisse für das Sicherheitspersonal" mit sich bringe.

EU-Parlament: Vorschrift erhöht Sicherheit nicht

Dem will das Europaparlament nun ein Ende bereiten. Die EU-Volksvertretung forderte die Kommission auf, endlich Beweise für die Wirksamkeit der umstrittenene Handgepäcks-Vorschriften vorzulegen. Andernfalls müsse die Vorschrift ersatzlos gestrichen werden, verlangte das Parlament in einer Entschließung. Bisher gebe es keinerlei Hinweise darauf, dass das Flüssigkeitsverbot zur Abwehr von Terror-Anschlägen beigetragen habe, betonte der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Abgeordneten, Georg Jarzembowski. Weder der Sprengstoffanschlag auf einen Pendlerzug in Madrid noch die Attentate von London hätten mit diesem Verbot vereitelt werden können.

Die Kommission solle nun endlich klipp und klar sagen, "welche Flüssigkeiten in welcher Menge gefährlich sind und welche Tätergruppen damit erfolgreich operiert haben", verlangte Jarzembowski. Solange sie diese Auskunft schuldig bleibe, könne nicht weiterhin "jede Oma, die nach Mallorca fliegt", verpflichtet werden, beim Sicherheitscheck ihre Zahnpasta und Sonnencreme aus dem Handgepäck zu nehmen.

"Unsinnige Maßnahme"

Die Euro-Abgeordneten wissen natürlich, dass sie in der Frage kein Mitspracherecht haben: Die Verordnung wurde ohne Zustimmung des Straßburger Parlaments erlassen - nach Hinweisen britischer Sicherheitsbeamter auf angeblich geplante Anschläge mit Flüssigsprengstoff. Dennoch hoffen sie, dass die Kommission ihrer Forderung nachkommt und binnen einiger Monate die geforderten Auskünfte vorlegt. Das Parlament werde jedenfalls nicht lockerlassen und weiter die Abschaffung dieser "unsinnigen Maßnahme" fordern, kündigte Jarzembowski an.

Bis es so weit ist, werden Passagiere weiterhin die lästigen Kontrollen auf sich nehmen - und dafür noch in die Tasche greifen müssen. Die zusätzlichen Kosten werden nämlich durch die Sicherheitsgebühr gedeckt, die im Ticketpreis enthalten sind. Manche Flughäfen denken unterdessen über eine sinnvolle Verwendung einiger der eingesammelten Waren nach. Der Innsbrucker Flughafen beispielsweise spendet Fruchtsäfte einigen SOS-Kinderdörfern, wie kürzlich der österreichische Rundfunk ORF berichtete.

Diesem Beispiel wolle der Frankfurter Flughafen nicht folgen, versichert Schwalm. Schließlich könne der Airport keine "Gewähr" über den Inhalt der Flaschen abgeben. Aber auch in Frankfurt landen nicht alle Waren, die bei der Kontrolle der täglich über 150.000 Passagiere eingesammelt werden, in der Müllverbrennungsanlage: Originalverpackte Kosmetika werden dem Sprecher zufolge gemeinnützigen kirchlichen Einrichtungen gespendet. (mit AFP)

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