Politik : Flugverbot über Syriens Norden?

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Istanbul - Nach dem Wahlsieg von US- Präsident Barack Obama wächst die Erwartung, dass Washington ab sofort mehr tun wird, um den syrischen Staatschef Baschar al Assad zu stürzen. Ein direktes militärisches Eingreifen der USA oder der Nato ist zwar nicht auf der Tagesordnung – doch offenbar planen die USA und die Türkei die Durchsetzung einer Flugverbotszone in Syrien von türkischem Boden aus. Dieser Schutzschirm könnte Flüchtlingen aus der Türkei die Rückkehr nach Syrien ermöglichen.

Der Präsidentschaftswahlkampf war in den vergangenen Monaten einer der Hauptgründe dafür, dass Washington den Verbündeten Türkei von einem direkten Engagement in Syrien abhielt. Obama wollte die kriegsmüden Wähler nicht mit einem neuen militärischen Abenteuer erschrecken. Die Türkei, die 112 000 syrische Flüchtlinge versorgt und deren Territorium mehrfach von syrischen Granaten getroffen wurde, konnte den amerikanischen Verbündeten bisher nicht zu einem Schwenk bewegen.

Das könnte sich jetzt ändern. Nach einem Bericht der türkischen Zeitung „Milliyet“ liegt Obama ein Plan zur Entscheidung vor, der die Aufstellung von „Patriot“-Luftabwehrsystemen an der türkischen Grenze zu Syrien vorsieht. Die „Patriots“ könnten zum Abschuss syrischer Kampfflugzeuge und Hubschrauber in einem mehrere Dutzend Kilometer tiefen Gebietsstreifen auf der syrischen Seite der Grenze eingesetzt werden.

Dass auch in der Nato über eine Aufstellung der „Patriot“-Abwehrsysteme diskutiert wird, machte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu am Mittwoch in Brüssel deutlich. Die Nato dementierte allerdings Medienberichte, denen zufolge die Stationierung der „Patriot“-Flugabwehrraketen beschlossen worden sei. „Derzeit liegt uns keine solche Bitte vor. Sollten wir eine solche Bitte erhalten, dann werden wir sie prüfen“, sagte eine Nato-Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa in Brüssel. Thomas Seibert

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