Flugzeug-Absturz in der Ost-Ukraine : MH17 und das Warten auf Aufklärung

In das Gedenken an die Opfer mischt sich Zorn über den Umgang mit den Toten. Wie geht es mit der Aufklärung des Flugzeugunglücks in der Ostukraine weiter?

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Gedenken an die Opfer. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko (rechts) und der niederländische Botschafter in der Ukraine, Kees Klompenhouwer, vor einem Berg von Blumen, der vor der niederländischen Botschaft in Kiew von den Bürgern zur Erinnerung an die Opfer des Flugzeugabsturzes angehäuft wurde.
Gedenken an die Opfer. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko (rechts) und der niederländische Botschafter in der Ukraine,...Foto: Reuters

Es ist die Stunde der Trauer und des Zorns – aber zugleich auch die der Propaganda und der Verschwörungstheorien. Niemand weiß wirklich, wer die Maschine auf dem Flug MH 17 tatsächlich abgeschossen hat, aber die gegenseitigen Schuldzuweisungen sind rigoros, noch ehe eine unabhängige Untersuchung durch Experten erfolgt ist.

Derweil erschüttert der unwürdige Umgang mit den Opfern der Flugzeugkatastrophe die Welt. Nicht nur das hochsommerliche Wetter und zahlreiche Gewitter haben die Unglücksstelle seit dem Absturz am Donnerstag stark verändert. Prorussische Separatisten werden dafür verantwortlich gemacht, dass Flugzeugteile verschwunden sind und Gepäckstücke geplündert wurden. Der ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk sprach den Angehörigen der Opfer am Montag erneut sein Beileid aus. Er schäme sich, dass es in der Ostukraine zu solchen „unmenschlichen Szenen“ komme. Die Separatisten nannte er „betrunkenen Abschaum“, der von Russland bezahlt werde und dessen Anführer Top-Agenten aus Moskau seien.

Am Montag hatten sich 31 internationale Experten, unter ihnen 23 aus den Niederlanden und zwei Deutsche, per Flugzeug auf den Weg von Kiew nach Charkiw gemacht. Von dort waren sie mit dem Auto in die Stadt Torez gefahren, wo sie die Identifizierung der Leichen übernehmen. Mittlerweile seien 272 der insgesamt 295 an Bord befindlichen Passagiere geborgen worden, sagte Jazenjuk. Rund 250 Leichen und sterbliche Überreste befänden sich in den Eisenbahnwaggons in der Provinzstadt Torez. Der Zustand der Toten wird als sehr schlecht beschrieben, die Verwesung sei stark fortgeschritten, weil die Toten in schwarzen Plastikfolien bei großer Hitze ohne Kühlung in den Waggons liegen, erklärten Augenzeugen. Experten als auch umstehende Rebellen seien wegen des üblen Geruchs ins Taumeln geraten, hieß es.

Der Abschuss der Passagiermaschine markiere einen Wendepunkt in der Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine, sagte Jazenjuk. „Seit Donnerstag haben wir es mit einem globalen Konflikt zu tun.“ Von Russland selbst erwarte er trotz der Zusage von Präsident Putin, die Aufklärung zu unterstützen, „gar nichts“. Vielmehr sei der Zeitpunkt gekommen, dass EU und USA neue Sanktionen gegen Russland verhängen müssten. Jazenjuk erklärte vor Journalisten in Kiew, die Niederlande sollten die Aufsicht über die Untersuchung übernehmen. „Die Experten sollen sich alles genau anschauen, damit die Welt erfährt, wer für die Tragödie, die sich hier derzeit abspielt, verantwortlich ist“, sagte er dem Tagesspiegel.

Die ukrainische Führung hat Malaysia und den Niederlanden angeboten, dass die Toten nach Amsterdam gebracht werden, um dort gründlich untersucht zu werden. Erst einmal müssen die sterblichen Überreste jedoch aus der Gefahrenzone gebracht werden. Für die Angehörigen wäre es ein unvorstellbarer Gedanke, dass der Zug der Toten auf der Fahrt nach Charkiw beschossen oder aus der Luft angegriffen werden könnte.

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