Politik : Flugzeugentführung in Sudan: Kampfpiloten wurden zu Geiselnehmern

Die Entführung einer äthiopischen Militärmaschine mit 51 Menschen an Bord ist ohne Blutvergießen beendet worden. Die fünf äthiopischen Luftpiraten, die die Maschine nach Sudan entführt hatten, ließen ihre Geiseln am Freitagmorgen frei und gaben auf. Die vier Männer und eine Frau, die eine Ausbildung zu Kampfpiloten absolvierten, wollten mit der Aktion nach eigenen Angaben auf die Probleme in ihrem Heimatland aufmerksam machen.

Nach sudanesischen Informationen ergaben sich die Entführer, nachdem ihnen versichert worden war, dass sie nicht nach Äthiopien abgeschoben werden. Eine Vertreterin des äthiopischen Außenministeriums erklärte allerdings, man werde die Auslieferung der Entführer fordern, da es sich um Kriminelle handele. Die Luftpiraten hatten die Maschine vom Typ Antonow-12 am Donnerstagabend nach dem Start in Addis Abeba gekapert. Nach äthiopischen Angaben wollten sie zunächst nach Saudi-Arabien fliegen. Weil dafür der Treibstoff nicht ausreichte, zwangen sie den Piloten zur Landung in der sudanesischen Hauptstadt Khartum.

Widersprüchliche Angaben gab es zu den Motiven der mit Handgranaten und Pistolen bewaffneten Entführer. Vor Journalisten erklärten sie, die Aktion solle die Aufmerksamkeit auf die "furchtbare wirtschaftliche und politische Situation in Äthiopien und den Mangel an Freiheiten" lenken. Dagegen sagte eine äthiopische Regierungssprecherin, die fünf hätten das Flugzeug gekapert, weil sie ihre militärische Prüfung nicht bestanden hätten. An Bord der Antonow befanden sich 33 äthiopische Soldaten, die zum Teil auch Frauen und Kinder bei sich hatten.

Die sudanesischen Behörden stellten eine Verhandlungskommission zusammen, der auch Vertreter der Vereinten Nationen und des Roten Kreuzes in Khartum angehörten. Nach mehreren Stunden ließen die Entführer dann zunächst sechs Frauen und fünf Kinder frei, anschließend ergaben sie sich.

Äthiopien ist nach Angaben der Weltbank vom vergangenen Jahr das ärmste Land der Welt. Seine Einwohner verdienen im Schnitt 100 US-Dollar im Jahr. Der zweijährige Bruderkrieg gegen Eritrea hat die Staatskassen ausbluten lassen. Auch die eilends gesetzte Finanzspritze der internationalen Gemeinschaft, die die Kriegskassen seit Ende des Konflikts im Dezember mit rund zwei Milliarden US-Dollar wieder beglichen haben, brachte keine Besserung. Chronische, durch die Dürre bedingte Hungersnöte im Landesinnern hängen den 60-Millionen-Einwohner-Staat an den Tropf der Geberländer. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen startete vor wenigen Wochen einen Spendenaufruf. Rund 90 Millionen US-Dollar würden benötigt.

Der Aktion der Luftpiraten waren in der vergangenen Woche die blutigsten Straßenschlachten seit dem Ende der marxistischen Diktatur Mengistu Haile Mariams im Mai 1991 vorausgegangen. Mindestens 41 Menschen, die meisten von ihnen Studenten, starben durch die Schüsse und Knüppel der Polizei. "Der starre Parteiblock unter Meles Zenawi verhindert jede Bewegung", erklärt ein Student. "Weg mit Meles", riefen seine Kommilitonen, bevor die Polizei sie mundtot machte. Sie sprechen jedoch vielen Äthiopiern aus der Seele. Die Regierungskoalition von Ministerpräsident Zenawi mit der dominierenden "Tigrinischen Volksbefreiungsfront" (TPLF) ist im Land nie sonderlich beliebt gewesen. Ärgernis rief Zenawi hervor, als er vor wenigen Monaten zahlreiche Piloten der Flotte des Ex-Diktators Mengistu rekrutierte.

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