Politik : Foltervorwürfe gegen Briten Ex-Gefangene bezeugen Tötung von 20 Zivilisten

Markus Hesselmann

London – Frühere irakische Gefangene erheben erneut schwere Vorwürfe gegen die britische Armee. Demnach sollen Soldaten im Mai 2004 im Südirak zwanzig Zivilisten ins Lager Abu Naji verschleppt und dort gefoltert und getötet haben. Die britische Presse griff die Anschuldigungen, die zwei britische Anwälte im Namen von fünf Irakern vor drei Jahren zum ersten Mal erhoben hatten, am Wochenende noch einmal auf. Der Zeitung „Guardian“ zufolge haben die Anwälte neue Zeugenaussagen vorgelegt, dazu Fotos verstümmelter Körper und Totenscheine, die den gewaltsamen Tod der Zivilisten bestätigen sollen. Die fünf Iraker bezeugten unter anderem, damals im Gefängnis Angstschreie und Schüsse gehört zu haben.

Der „Guardian“ hatte 2004 bereits über Vorwürfe berichtet, nach denen Soldaten in Abu Naji nahe der Stadt Amara Gefangene misshandelt hätten. Den Misshandlungen sei ein schweres Gefecht mit Aufständischen vorausgegangen. An diesem Montag sendet die BBC eine Dokumentation zu dem Thema.

Die britische Regierung weist die Vorwürfe zurück. Der Fall sei von der Militärpolizei zehn Monate lang untersucht worden. Die Anschuldigungen hätten sich nicht bestätigt. Man werde sich aber auch mit den neuen Vorwürfen auseinandersetzen. Dem „Guardian“ zufolge hatte der britische Oberste Gerichtshof der Zeitung trotz Beschwerden von offizieller Seite ausdrücklich das Recht zugestanden, die Vorwürfe zu wiederholen.

Die Anschuldigungen stützen sich auf die Aussagen der fünf Iraker, die die Vorgänge mitangehört haben wollen, als sie mit verbundenen Augen in britischem Gewahrsam saßen. Das erklärten die beiden Anwälte Martyn Day und Phil Shiner. Shiner sagte, er könne nicht sicher sein, ob die Vorwürfe zuträfen. Es sei aber eine öffentliche Untersuchung des Falles notwendig – auch nach den internen Ermittlungen der Armee.

BBC-Reporter haben den Fall ein Jahr lang recherchiert. Sie fanden keine Beweise, dass britische Soldaten Gefangene getötet hätten. Es sei aber möglich, dass es Misshandlungen gegeben habe, hieß es bei der BBC. Markus Hesselmann

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