Politik : Fondsbranche hat Sympathie für SPD-Plan

Berlin - Der Vorschlag der SPD, die Arbeitnehmer mittels eines Fonds an deutschen Unternehmen zu beteiligen, stößt in der Finanzbranche und bei Fachleuten auf ein geteiltes Echo. „Das ist eine gute Idee, die den Arbeitnehmern nutzt, den Unternehmen Eigenkapital verschafft und das Wachstum stärkt“, sagte am Mittwoch Andreas Finke vom Bundesverband Investment und Asset Management (BVI), in dem die Fondsunternehmen organisiert sind. Die Branche wolle sich an einem solchen Modell beteiligen – und lehne eine ausschließlich staatliche Verwaltung des sogenannten Deutschlandfonds etwa durch die bundeseigene KfW-Bankengruppe ab.

„Wenn es mehr als einen Anbieter gibt, der das Kapital verwaltet, ist das gut für die Anleger und steigert die Rendite“, empfahl Finke. In den vergangenen Jahren hätten die Finanzgesellschaften bei Fonds mit dem Anlageschwerpunkt Deutschland eine Rendite von durchschnittlich acht bis zehn Prozent pro Jahr erwirtschaftet. Als „schwer umsetzbar“ bezeichnete er den Plan, bis zu 1000 Unternehmen in den geplanten Fonds aufzunehmen. „In den deutschen Börsenindizes sind nur 160 Unternehmen gelistet, da müsste noch eine ganze Reihe kleinerer aktiviert werden.“ Selbst die größten bestehenden Fonds umfassten nur zwischen 100 und 150 Unternehmen.

Mit dem SPD-Plan vergleichbare Fonds, die vom Staat unterstützt werden, finden sich weltweit nur wenige. Ein prominentes Beispiel ist der Ölfonds in Norwegen, der die Einnahmen des Staates aus dem Ölgeschäft für die Zukunft anlegt. Seit 1996 ist er auf mehr als 200 Milliarden Euro angewachsen. Allerdings ist er verpflichtet, das Kapital im Ausland anzulegen, um die Konjunktur nicht unnötig anzuheizen – die SPD plant das Gegenteil.

Abgelehnt wurde der Deutschlandfonds indes von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), die private Sparer vertritt. „Es gibt bereits heute für Arbeitnehmer vielfältige Möglichkeiten, sich über Fonds an Unternehmen zu beteiligen“, sagte der SdK-Vorsitzende Klaus Schneider dem Tagesspiegel. Neue Anlagemodelle und die dazu nötige Verwaltung aufzubauen, würden zu „Staatsdirigismus und neuen Verteilungskämpfen in der Politik“ führen. „Damit entsteht nur Bürokratie, die niemand braucht“, urteilte Schneider. brö

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