Forderung von Exil-Tibetern : Tibetische Flagge statt olympischer Fackel

500 Exil-Tibeter haben in Indien zu einem Boykott des Olympischen Fackellaufs aufgerufen. Am Montag startete die "Reise der Harmonie" auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Das Feuer soll durch 19 Länder auf fünf Kontinenten getragen werden.

Olympia
Präsident Hu Jintao reicht das olympische Feuer dem dem Hürdenläufer und Olympiasieger Liu Xiang. -Foto: dpa

PekingAnlässlich des weltweiten Tibet-Aktionstages haben mehr als 500 Exil-Tibeter in Indien zu einem Boykott des Olympischen Fackellaufs aufgerufen. "Wir fordern alle indischen Läufer auf, sich mit dem tibetischen Volk zu solidarisieren und nicht an der Veranstaltung teilzunehmen", sagte eine Sprecherin am Montag während einer Kundgebung in Neu Delhi.

Die Fackelläufer könnten auch eine tibetische Fahne tragen, um damit ihre Unterstützung für den Dalai Lama und den gewaltfreien Widerstand der Tibeter zu demonstrieren.

Den offiziellen Startschuss für den olympischen Fackellauf hat Chinas Präsident Hu Jintao unter starken Sicherheitsvorkehrungen gegeben. Passenderweise fand die Zeremonie auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking statt. Der Staatschef hielt die Fackel in die Höhe und reichte sie dann dem Hürdenläufer und Olympiasieger Liu Xiang weiter. Das symbolische Feuer kam per Flugzeug aus Griechenland nach Peking.

Angesichts der Unruhen in Tibet drohten mehrere Organisationen mit Protesten auf den Stationen des Fackellaufs. Die chinesischen Behörden gaben die Zahl der Festnahmen seit dem Beginn der Unruhen in Tibet Mitte März unterdessen mit mehr als 400 an.

Das große Sicherheitsaufgebot sollte anti-chinesische Demonstrationen verhindern, wie sie sich bei der Entzündung der Flamme im antiken Olympia ereignet hatten. Sicherheitskräfte waren auf den Gebäuden rund um den Tiananmen-Platz zu sehen, die umliegenden U-Bahnstationen waren geschlossen, um ungebetene Zuschauer fernzuhalten. Rund 5000 ausgewählte Chinesen waren eigens als Publikum für die Zeremonie auf den Platz gebracht worden, auf dem die chinesische Führung 1989 die Demokratiebewegung des Landes blutig niederschlagen ließ.
   
Die "Reise der Harmonie" führt durch 19 Länder   

   
Erstes Etappenziel des Fackellaufs, der am Dienstag beginnt, ist die frühere kasachische Hauptstadt Almaty. Die sogenannte Reise der Harmonie soll über 137.000 Kilometer durch 19 Länder auf fünf Kontinenten führen. Höchster Punkt wird der Mount Everest im Mai sein. Es ist der bisher längste Fackellauf in der Geschichte der Olympischen Spiele. Das Olympische Feuer war vor einer Woche im Heiligen Hain des antiken Olympia entfacht worden.
   
Nach staatlichen Medienberichten nahm die chinesische Polizei im Zusammenhang mit den Protesten in Tibet 414 Menschen fest. Die Zeitung "Tibet Daily" berichtete, 289 weitere Tibeter hätten sich freiwillig den Behörden gestellt. Die anti-chinesischen Proteste in der Himalaya-Region hatten am 10. März begonnen und waren vier Tage später eskaliert. Dabei wurden nach Angaben der tibetischen Exilregierung mindestens 135 Menschen getötet. Die chinesische Regierung spricht von rund 20 Toten.
   
Exiltibeter setzten unterdessen ihre Protestaktionen in benachbarten Ländern fort. Die nepalesische Polizei nahm bei Protesten vor der chinesischen Botschaft in der Hauptstadt Kathmandu nach eigenen Angaben 227 Demonstranten  fest, darunter 113 Frauen. Auch in der indischen Hauptstadt Neu Delhi gingen hunderte Exiltibeter auf die Straße und verbrannten die chinesische Flagge.

Ständige Überwachung der Diplomaten   

Australiens Außenminister Stephen Smith forderte China auf, ausländischen Diplomaten leichteren Zugang zu Tibet zu gewähren. Der Kurzbesuch von Botschafts-Vertretern aus 15 Ländern am Wochenende sei ein "Schritt in die richtige Richtung" gewesen, sagte Smith am Montag in Perth. Allerdings seien die Diplomaten ständig von chinesischen Regierungsvertretern überwacht worden.
   
Mit "starkem Missfallen" reagierte Peking auf die Erklärung der EU-Außenminister zum Tibet-Konflikt. Kein Land und keine internationale Organisation habe das Recht, sich in die "inneren Angelegenheiten" Chinas einzumischen, sagte Außenamts-Sprecherin Jiangh Yu laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag. Die Außenminister der 27 EU-Staaten hatten am Wochenende nach einem Treffen in Slowenien einen Dialog zwischen China und dem Dalai Lama gefordert. (mpr/AFP)

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