Politik : Forever young

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Diesmal hat es nicht geregnet beim Sommerfest der SPD-Fraktion. Erst bedankte sich Franz Müntefering beim neuen Kirchenbeauftragten seiner Truppe für das gute Wetter, dann gehörte die Bühne am Dienstag „Heart and Soul“, der „Blues-Brothers-Coverband aus Bonn“. Wie die war? Sagen wir so: Wer sich unter Schmerzen und Ächzen gegen all seine Instinkte bis in die politische Realität des 21. Jahrhunderts schleppt, hat alles Recht der Welt, sich nach der Arbeit im Sound der 70er ein bisschen auszuruhen. In Bonn, wo die Band herkommt, da gab’s ja auch noch diesen ausgleichenden, warmen, netten, friedfertigen rheinischen Kapitalismus, in dem alle noch miteinander redeten und nicht wie heute nur auf den Börsenkurs unten im Nachrichten-TV starrten. Der rheinische Kapitalismus war bekanntlich nur halb so kalt und dafür auch nur halb so megamodern wie nun die Agenda 2010. Komisch, warum schaute Reform-Kritiker Ottmar Schreiner trotz des Soundtracks so bekümmert? Herr Schreiner, am 8. Juli muss doch gar nicht abgestimmt werden über die Gesundheitsreform, ist doch abgesetzt worden, der Termin! Hat der Saarländer wenigstens mal gelächelt, als sein Fraktionskollege Peter Struck dann die Bühne enterte und im Blues-Brothers-Look abrockte? Da groovte einer mit Stil und Hingabe, ganz anders als damals Oskar Lafontaine, der sich auf einem SPD-Jugendtag auf peinliche Weise zu Techno die Arme verrenkte. Peter Struck hat es bewiesen: Man kann sehr gut 140 Jahre alt werden und trotzdem gleichzeitig „young at heart“ und „young an de Beene“ bleiben. Das mit den 140 Jahren, damit da kein Missverständnis aufkommt, bezieht sich auf die SPD.

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