Politik : Forscher fordern Änderung des Stammzellgesetzes

11.11.2006 00:00 UhrVon Dagny Lüdemann

Neue Debatte über Experimente mit Embryonen / Regierung hält am Schutz des ungeborenen Lebens fest

Berlin - Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat eine Reform des deutschen Stammzellgesetzes gefordert. Dazu legte sie am Freitag in Berlin Empfehlungen zur Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen an die Politik vor. Seit dem letzten DFG-Bericht von 2001 „hat die Forschung, insbesondere mit humanen embryonalen Stammzellen, wichtige neue Erkenntnisse gebracht“, sagte DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker. Deshalb müsse man die Gesetzeslage in Deutschland überdenken.

Insbesondere fordert die DFG, die vom Bundestag 2002 beschlossene Stichtagsregelung zu streichen. Danach dürfen deutsche Forscher nur Stammzellen von Embryonen verwenden, die vor dem 1. Januar 2002 im Ausland entstanden sind.

Die Regelung verhindere, dass die deutschen Wissenschaftler auch neuere, im Ausland hergestellte Stammzelllinien in ihre Arbeit einbeziehen könnten. Die alten Zelllinien seien nur zur Grundlagenforschung brauchbar, „weil sie häufig mit tierischen Zellprodukten und Viren verunreinigt“ seien und „darüber hinaus nicht unter standardisierten Bedingungen gewonnen wurden“, sagte Jörg Hinrich Hacker, Vizepräsident der DFG. Gerade die Arbeit mit internationalen Standards sei wichtig, um die Experimente vergleichbar zu machen.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) lehnte die Aufhebung der Stichtagsregelung ab. „Für die Bundesregierung ist der Schutz menschlichen Lebens auch im frühesten Stadium ein Grundsatz, der nicht zur Disposition steht“, sagte die Ministerin in Berlin. Durch einen festen Stichtag stelle die Regierung sicher, „dass von Deutschland keine Anreize zur Zerstörung von Embryonen ausgehen.“ Die Bundesregierung werde den DFG-Bericht eingehend prüfen und die Stammzellforschung in ethisch vertretbarem Rahmen fördern.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die katholische Bischofskonferenz warnten vor einer Aufweichung des Embryonenschutzes. Der von der DFG empfohlene Wegfall der Stichtagsregelung verrate den Geist des vom Bundestag 2002 beschlossenen Stammzellgesetzes, erklärte der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber. Ähnlich äußerte sich die forschungspolitische Sprecherin der Grünen, Priska Hinz. Nicht hinnehmbar sei insbesondere, dass die DFG den Import von embryonalen Stammzellen zu therapeutischen Zwecken zulassen wolle. FDP-Politiker begrüßten den Vorstoß der DFG und sprachen sich für eine Gesetzesreform aus.

Die DFG forderte in ihrem Bericht außerdem, die gesetzlich festgelegten Strafandrohungen für Wissenschaftler aufzuheben und den Geltungsbereich des Stammzellgesetzes ausdrücklich auf das Inland zu beschränken. „Bisher machen sich Deutsche strafbar, wenn sie im Ausland an neueren Stammzellen forschen“, sagte Jochen Taupitz, Rechtsexperte und Mitglied des Nationalen Ethikrates. „Das erschwert internationale Kooperationen“, sagte DFG-Präsident Winnacker. Das therapeutische und das reproduktive Klonen jedoch solle in Deutschland auch weiterhin verboten bleiben, betonte er.

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite