Politik : Fortbildung für Pädagogen: Bildungsminister: Lehrer sitzen schon am Computer

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Alle größeren Lehrerverbände wehren sich dagegen, Lehrer in ihren Ferien zu zweiwöchigen Computerkursen zu verpflichten. Die Arbeitsbelastung sei bereits zu hoch, hieß es am Montag. Fortbildungsmaßnahmen hatte der Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt am Wochenende gefordert. Verwunderung gab es ebenfalls in den Kultusministerien einzelner Bundesländer. Der Berliner Erziehungswissenschaftler und Erste Vizepräsident der Freien Universität, Dieter Lenzen, sprach dagegen von einem "großen Weiterbildungsbedarf bei deutschen Lehrern". Die nordrhein-westfälische Bildungsministerin Gabriele Behler (SPD) sagte: "Hundts Bemerkungen zeugen von fehlender Sachkenntnis in der Schulpolitik." Auch aus München hieß es: "Uns kann Hundt nicht gemeint haben. Er bleibt hinter der Realität in Bayern zurück."

Im Freistaat werde bereits einiges für die Lehrerfortbildung getan, betonte Dorothee Erpenstein, Pressesprecherin des Kultusministeriums. "Wir bieten Kurse in den Ferien an. Es gibt eine sehr hohe Resonanz auf dieses Angebot." Insbesondere würden Lehrer mit Computern und neuen Medien vertraut gemacht. 1999 wurde eine landesweite Fortbildung gestartet, die bereits einen Großteil der 100 000 Lehrer in Bayern erreicht habe. Mehr als 95 Prozent der weiterführenden Schulen seien mittlerweile mit Internetzugängen und EDV-Fachräumen ausgestattet. Bald werde das Internet auch in die einzelnen Klassenräume gebracht.

Die Anstrengungen bei den neuen Medien betonte auch der Sprecher des NRW-Bildungsministeriums Horst Kückmann: "85 Millionen Mark sind dafür eingeplant." Ansonsten gebe es auch in NRW eine rege Nachfrage nach Kursen in den Ferien. "Bloß alle 160 000 Lehrer können gar nicht in den Sommerferien eine Fortbildung besuchen - auch wenn sie durch aktuelle Erlasse dazu bereits angehalten werden."

FU-Professor Lenzen zeichnet dagegen ein anderes Bild. Er sieht eine "wahnsinnige Fortbildungsabstinenz" bei den Pädagogen. Gut 60 Prozent der Lehrer seien um die 60 Jahre alt - und in der Regel hätten sie nach ihrem Examen vor gut 30 Jahren keine Weiterbildungskurse besucht. "Es passiert ja nichts, wenn sie nichts machen." Es fehle also an Anreizen. Einige Bundesländer arbeiteten deshalb bereits an Gesetzen, die nicht nur Lehrer, sondern auch Berufsgruppen wie Mediziner und Rechtsanwälte dazu verpflichten sollen, sich regelmäßig auf den neuesten wissenschaftlichen Stand zu bringen. Doch sei die Finanzierung der Weiterbildung nicht ausreichend. In diesem Bereich werde zum Beispiel in Berlin gespart.

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