Politik : Fortpflanzungsmedizin: Im Streit um Gene sucht Fischer den Konsens

Ulrike Fokken

Das Thema ist kompliziert und es verunsichert: die Fortpflanzungsmedizin. Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer fordert daher alle Fraktionen im Bundestag auf, gemeinsam an einem Gesetz über die medizinisch machbaren und die moralisch vertretbaren Eingriffe in die menschliche Fortpflanzung zu arbeiten. "Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Parteigrenzen hinweg", sagte Fischer am Samstag auf einer Veranstaltung der Grünen, die unter der Überschrift "(Alb)-Traum von der leidensfreien Gesellschaft" stand. In den kommenden Tagen wird sie den Fraktionsspitzen ihre Positionen schriftlich mitteilen und sie zur Zusammenarbeit auffordern.

Fischer will noch in dieser Legislaturperiode ein Gesetz über die Fortpflanzungsmedizin durch die politischen Gremien bringen. Das Gesetz aber muss parteiübergreifend auf einen breiten Konsens stoßen, sagte Fischer. Den zu erreichen, wird mühsam werden. Denn wer gegen die Präimplantationsdiagnostik - den genetischen Test einer befruchteten Eizelle im Reagenzglas vor dem Einsetzen in den Mutterleib - ist, muss nicht gegen die Forschung an embryonalen Stammzellen sein. Dabei werden Embryonen, die nach einer künstlichen Befruchtung übriggeblieben sind, erforscht. Wissenschaftler versprechen sich von der Manipulation an Embryonen, Therapien für schwere Krankheiten wie Parkinson zu finden. In Deutschland verbietet dies das Embryonenschutzgesetz. Auch die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist hier zu Lande verboten, da sich dadurch "eine völlig neue Dimension der Manipulationsmöglichkeit am frühen menschlichen Leben" ergibt, wie Fischer sagte. Weltweit sollen 400 Kinder nach einer PID geboren worden sein. Einzig der Arzt entscheidet bei diesem Verfahren über das Leben oder Sterben eines Embryos - also eines Menschen.

Gesundheitsministerin Fischer hat eine klare Meinung zu den beiden wissenschaftlich und ethisch umstrittenen Punkten. Sie lehnt beide ab. Ebenso ist die Ministerin gegen die Spende von Eizellen. Denn anders als bei einer Samenspende, nach der ein Kind einen genetischen Vater hat und wahrscheinlich einen anderen sozialen Vater, kann ein Kind nicht zwei Mütter haben - eine genetische und eine biologische. "Eine Spaltung der Mutterschaft in eine biologische und eine genetische Mutterschaft ist in der Natur und in der Menschheitsgeschichte etwas völlig Neues", sagte Fischer. Dass ein genetischer Vater nach der Samenspende verschwinde, sei historisch verankert.

Strittig wird es zwischen den Parteien auch über die Frage werden, ob in Zukunft auch nicht verheiratete Frauen sich künstlich befruchten lassen dürfen, wie Fischer es vorsieht. Das würde den gesellschaftlichen Realitäten Rechnung tragen: Bereits ein Drittel aller Mütter ziehen ihre Kinder in Deutschland allein auf.

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