Politik : Frachter-Beschuss: Russland weist Mord-Vorwürfe zurück

500 Schüsse feuerte die russische Küstenwache auf einen Frachter ab - Sie versenkten das Schiff, acht Menschen starben. Doch "Mord" sei das nicht gewesen: Der Kapitän des Schiffes habe die Warnungen missachtet.

Moskau/PekingNach dem Tod von acht Seeleuten eines chinesischen Reis-Frachters bei einer wilden Verfolgungsjagd im Pazifik hat Russland die erhobenen Mord-Vorwürfe zurückgewiesen. Allein der Kapitän des Frachters "New Star" trage die Schuld am Untergang des Schiffs, sagte Moskaus Außenamtssprecher Andrej Nesterenko. Die russische Staatsanwaltschaft teilte am Freitag mit, dass die Rettungsvorschriften auf dem Frachter missachtet worden seien.

Der russische Küstenschutz hatte die "New Star" in dieser Woche nach einer stundenlangen Verfolgungsjagd mit mehr als 500 Schüssen versenkt, nachdem der Kapitän Warnsignale ignoriert haben soll. Der Schiffseigentümer aus Hongkong sprach von "Mord". Das Pekinger Außenministerium hatte Moskau zur Aufklärung des Vorfalls aufgefordert.

Sturm habe die Rettung der Seeleute unmöglich gemacht

Nach russischen Angaben habe der Küstenschutz zunächst ohne Gewalt mit Funksignalen und Leuchtraketen versucht, den Frachter zu stoppen. Schließlich sei von den Bordgeschützen gefeuert worden. Die chinesisch-indonesische Besatzung der "New Star" habe sich mit Rettungsflößen in Sicherheit bringen wollen.

Ein Floß sei nicht seetauglich gewesen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in der Stadt Wladiwostok nach Angaben der Agentur Interfax. Zudem hätten die Matrosen keine Tauchanzüge zum Schutz vor der Kälte getragen. Acht Mitglieder der 16-köpfigen Besatzung waren gerettet worden. Die Rettung der weiteren acht Seeleute sei wegen eines Seesturms und der bis zu acht Meter hohen Wellen nicht möglich gewesen.

Der Frachter hatte nach einem Streit um die Qualität der Reislieferung aus Thailand den Hafen der Stadt Nachodka nahe Wladiwostok ohne Erlaubnis verlassen. Daraufhin hatte die russische Marine die "New Star" verfolgt. (jnb/dpa)

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