Fracking in Deutschland : Streit über die Gasförderung

Es könnte das Energiethema 2013 werden: Schiefergas macht unabhängiger von Gasimporten. Doch die Fördermethode ist umstritten. Was weiß man über Fracking?

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Protestplakat gegen das Fracking-Verfahren
Protestplakat gegen das Fracking-VerfahrenFoto: dapd

Die USA erleben derzeit einen wahren Gas-Rausch, Großbritannien will bohren und auch in Deutschland wird diskutiert: Dank neuer Fördertechniken werden Lagerstätten ausgebeutet, die zuvor nicht erschlossen werden konnten. Das so genannte Schiefergas (Shale Gas) ist auch in Deutschland zu finden. Um es zu fördern, muss allerdings das sogenannte Fracking-Verfahren angewandt werden. Wegen möglicher Umweltgefahren ist es stark umstritten. Manche würden es am liebsten verbieten, andere sehen darin eine verpasste Chance, um den Erdgasbedarf zu decken.

Was ist Fracking?

Das Wort ist eine Abkürzung für „Hydraulic Fracturing“ – mit Hilfe von Wasser, das unter gewaltigem Druck steht, werden tiefe Gesteinsschichten aufgebrochen, damit darin enthaltenes Erdgas zum Bohrloch strömen kann (siehe Grafik). Mit dem Wasser werden Sand oder spezielle Keramikkügelchen nach unten gebracht, sie sollen die entstandenen Spalten offen halten. Bis zu fünf Prozent der Flüssigkeit sind Chemikalien, die verschiedene Aufgaben haben: Reibung verringern, den Transport des Sandes unterstützen, Bakterienbefall und die damit verbundene Faulgasbildung verhindern. Nur ein Teil der Zusatzstoffe ist tatsächlich umweltgefährdend. Das Gros ist nicht giftig, dazu gehören etwa Stabilisatoren, die auch Joghurt zugesetzt werden. Die genaue Mischung hängt jedoch von der konkreten Lagerstätte ab. Nach dem Fracking wird die Flüssigkeit wieder nach oben gepumpt, grob gereinigt und über speziellen Tiefbohrungen – etwa in leergeförderte Erdgaslagerstätten – entsorgt.

Was könnte es wirtschaftlich bringen?

Schätzungen zufolge könnten in Deutschland 0,7 bis 2,3 Billionen Kubikmeter Schiefergas gewonnen werden, es findet sich sowohl im Norden wie im Süden des Landes. Im Süden Deutschlands findet sich das Schiefergas vor allem im Oberrheingraben. Eine untergeordnete Rolle spielen Gasvorkommen in Kohleflözen und dichten Sandsteinen (Tight Gas), die ebenfalls oft nur mittels Fracking erschlossen werden können. Die geschätzte Schiefergasmenge ist ein Vielfaches der konventionellen Erdgasreserven und entspricht etwa dem deutschen Gesamtgasverbrauch von zwölf Jahren. Eine Förderung würde die Abhängigkeit Deutschlands von Importen senken. Bisher wird nur etwa ein Zehntel des deutschen Gasverbrauchs aus heimischen Quellen gedeckt, etwa die Hälfte des verbrauchten Gases kommt aus den Niederlanden und Norwegen, ein Drittel aus Russland.

Warum ist das Verfahren umstritten?

Am stärksten kritisiert werden die zugefügten Chemikalien. Es wird befürchtet, dass diese ins Grundwasser gelangen - entweder unmittelbar aus dem Bohrloch heraus oder durch Unfälle oben am Bohrgerät, wo sie aus lecken Lagertanks in den Boden sickern könnten. Manche Kritiker fürchten, dass durch das Fracking starke Erdbeben ausgelöst werden, die Schäden anrichten. Nicht zuletzt geht es auch um Folgen, die jede Rohstoffgewinnung mit sich bringt: Schwere Technik rückt an, das Landschaftsbild wird verändert, Krach entsteht.

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