Politik : Fragen an Berlusconi

Italiens Premier warnt vor Terror – und will später nichts gesagt haben

Thomas Migge[Rom]

Die Sache hat Methode: Italiens Politiker geben Interviews, sagen darin brisante Dinge und widerrufen bald darauf. Auch dann, wenn Kassetten mit den aufgenommenen Interviews vorliegen. Auch Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi übt sich in dieser Praxis, von der italienische Zeitungsmacher ein trauriges Lied singen können.

Am Wochenende veröffentlichte die Tageszeitung „Libero“, ein regierungsfreundliches Blatt, ein langes Interview, das Renato Farina mit dem Regierungschef geführt hatte. Ein Interview zu verschiedenen Themen. Wie oft, wenn Journalisten längere Interviews mit Berlusconi führen, hielt sich der Regierungschef auch dieses Mal nicht an die vorgegebenen Fragen, sondern plauderte auch ungefragt zu bestimmten Themen, die ihm am Herzen lagen.

So erklärte Berlusconi, dass am diesjährigen Weihnachtsfest in der italienischen Hauptstadt ein Attentat stattfinden sollte. Ein von Terroristen entführtes Flugzeug sollte, so zitierte „Libero“ den Ministerpräsidenten, gegen den Petersdom gesteuert werden und auf diese Weise verheerende Zerstörungen mit vielen Toten herbeiführen. Dieses Attentat sei aber, sagte Berlusconi, verhindert worden.

Nachdem diese Äußerungen des Medienzaren weltweit Aufsehen erregten, richteten sich viele Fragen an Berlusconi. Wer sollten diese Terroristen sein? Was wollten sie mit ihrem Anschlag bewirken? Und Berlusconi widerrief alle Äußerungen. Das Interview mit „Libero“, behauptete er, sei nie geführt worden. Doch Vittorio Feltri, Chefredakteur der Tageszeitung und einer der angesehensten Blattmacher Italiens, stellte sich hinter seinen Journalisten.

Schon vor Weihnachten war in italienischen Zeitungen zu lesen, dass Informationen des israelischen Geheimdienstes Mossad, wonach Terroristen von Al Qaida einen Anschlag auf ein für Christen wichtiges Symbol in Italien geplant hätten, nach Italien geschickt worden seien. Diese Informationen seien dem italienischen Geheimdienst Sismi zugespielt worden. Ohne darauf direkt Bezug zu nehmen, hatte Innenminister Beppe Pisanu Mitte Dezember die Überwachung der wichtigsten Kirchen Italiens durch das Militär angeordnet. Unter anderem wurde der gesamte Verkehr um das Gebiet des Vatikanstaats in den Abend- und Nachtstunden verboten. Die Personenkontrollen auf dem Petersplatz wurden verschärft.

Seit einigen Tagen wird der gesamte Luftraum über Rom von Abfangjägern der italienischen Luftwaffe rund um die Uhr überwacht. Sollte sich ein Flugzeug dem gesperrten Luftraum über der Innenstadt Roms nähern, benötigen diese Abfangjäger maximal zehn Minuten, um einsatzbereit zu sein. Im schlimmsten Fall sollen Flugzeuge, die sich den Kirchen und Kuppeln der Ewigen Stadt nähern und ihre Route nicht rechtzeitig ändern, abgeschossen werden.

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