Politik : Fragen und Sorgen

Alex K. lebt in Belgrad. Die junge Serbin, die von sich selbst sagt, sie sei von westlichen Idealen geprägt, beschreibt in ihrem Tagebuch, wie sie den Krieg erlebt. Um die Autorin zu schützen, können wir ihren richtigen Namen nicht nennen. Heute drucken wir ihre Eindrücke vom 3. und 4. Juni. Der Tagesspiegel meldete: "Durchbruch in Belgrad - Milosevic akzeptiert Friedensplan Rußlands und des Westens".



Donnerstag. Das Parlament tagt. Alle warten auf das Ergebnis der Beratungen. Die Stadt ist merkwürdig still, sogar die Kinder sind nicht auf der Straße. Die Atmosphäre ist wie elektrisiert. Gegen 1 Uhr Mittag hören wir die Neuigkeit: Das Parlament hat den Friedensplan angenommen. Ansonsten bleibt es ruhig. Die meisten Leute stehen unter Schock, sie können kaum reagieren.

Freitag. Die zweite Nacht, die seit dem 24. März ohne Bombenalarm verging. Keiner meiner Freunde ist wirklich glücklich. Es herrscht offenbar die Angst, den möglichen Frieden zu zerstören, wenn man nur über ihn redet. Der Gedanke an den Frieden ist immer etwas Positives, andererseits gibt es viele offene Fragen und Sorge. Kaum jemand traut der Nato; man traut ihr zu, abziehende jugoslawische Truppen anzugreifen. Die Eltern meines Freundes leben in einem serbischen Dorf im Kosovo. Wird dies ein neuer Exodus das serbischen Volkes? Werden die internationalen Truppen die Serben genau wie die Albaner beschützen?

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