• Fragwürdige Geschäfte - zieht der designierte Wirtschaftsminister Peter Egenter seine Kandidatur zurück?

Politik : Fragwürdige Geschäfte - zieht der designierte Wirtschaftsminister Peter Egenter seine Kandidatur zurück?

Thorsten Metzner

In der märkischen SPD-Spitze geht man davon aus, dass der in die Schusslinie geratene Potsdamer IHK-Geschäftsführer Peter Egenter nicht Wirtschaftsminister wird. Wie aus gut informierten SPD-Kreisen gestern verlautete, rechne man damit, dass Egenter nach der Landtagswahl am Sonntag seine Kandidatur unter dem Druck der bislang gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückziehen werde. Ein solcher Schritt liege auch in seinem Interesse, hieß es. Die Nominierung Egenters durch Stolpe sei in der SPD von Anfang umstritten gewesen. Es habe Stimmen gegeben, die sich lieber einen kompetenten Wirtschaftsprofi aus dem Westen gewünscht hätten.

Stolpes Wunschkandidat als Nachfolger für den scheidenden Wirtschaftminister Burkhard Dreher, der in die Energiewirtschaft wechselt, war wegen fragwürdiger Antiquitätengeschäfte mit dem Koko-Imperium von Schalck-Golodkowski massiv unter Druck geraten. Dem Vernehmen nach platzte gestern ein von der Staatskanzlei anberaumtes Krisentreffen von Stolpe, Egenter mit dem früheren Potsdamer Koko-Chefeinkäufer Axel Hilpert, der Egenter belastet hatte. Hilpert, der dem Vernehmen nach nicht erschien, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Egenter selbst ließ gestern eine schriftliche Erklärung verbreiten, in der er juristische Schritte gegen den Vorwurf des Blatts "Super Illu" ankündigte, er habe zu DDR-Zeiten auf der Gehaltsliste des Koko-Imperiums gestanden. "Die Vorwürfe sind haltlos und sollen mich als Kandidat für das Amt des Wirtschaftsministers diffamieren", so der Text. In dieser Angelegenheit habe er den Berliner Presseanwalt Christian Schertz beauftragt und behalte sich weitere Schritte vor. Persönlich war der IHK-Chef für Medien nicht erreichbar. In der Erklärung verweist Egenter darauf, dass er sein Gehalt "ausschließlich aus dem Haushalt des Potsdamer Bezirksneuerzentrums" bezogen habe. "Mir ist darüber hinaus von einer Erstattung meines Gehaltes durch die genannten Firmen nichts bekannt." Er habe nie einen Auftrag erhalten, für eine Koko-Firma An- oder Verkäufe von Antiquitäten durchzuführen. CDU-Herausforderer Schönbohm hatte den Ministerpräsidenten aufgefordert, Egenters Kandidatur sofort zurückzuziehen, damit der Wähler vor der Wahl Klarheit habe.

Bislang hatte der IHK-Chef lediglich eingeräumt, in privaten Feierabend-Geschäften Antiquitäten an die Firma VEB Antikhandel Pirna verkauft und in einem Fall eine Provision erhalten zu haben. Axel Hilpert, der früheren Potsdamer Chefeinkäufer der Firma, hatte dagegen bestätigt, dass Egenter mit solchen Antiquitätengeschäften ein "bisschen Kohle" dazu verdienen wollte und Sach- und Geldprämien bei "seltenen Stücken" üblich gewesen seien. Unterdessen hat der Verein der IHK-Verweigerer den Rücktritt Egenters von seiner Funktion als IHK-Hauptgeschäftsführer gefordert. Der Chef des Vereins, Axel Prestel, will in der nächsten Woche konkrete Namen nennen, welche "Freunde aus alten Tagen" Egenter in der IHK untergebracht habe.

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