Politik : Francesco Rutelli im Gespräch: "Italien muss schneller werden"

Noch vor ein paar Monaten war Ihr Konkurrent Berlu

Francesco Rutelli (46), erst bei der Radikalen Partei, dann Grüner, dann Bürgermeister von Rom, ist nun Kandidat des Ulivo-Bündnisses für das Amt des Premiers.

Noch vor ein paar Monaten war Ihr Konkurrent Berlusconi klarer Favorit in allen Umfragen. Nun liegt sein Mitte-Rechts-Bündnis noch vier Prozentpunkte vor dem "Ölbaum" von Mitte-Links. Wie erklären Sie sich das?

Es gibt mehr Zusammenhalt im Ulivo-Bündnis, wir sind uns klarer darüber, dass wir Geschlossenheit brauchen. Berlusconi hat seine Möglichkeiten ausgeschöpft. Und: Wir haben Italien gut regiert.

An die Einigkeit dieser neuen linken Mitte glaubte man auch schon 1996, als Romano Prodi siegte. Seither ist die dritte Regierung im Amt. Was macht Sie optimistisch?

Wir hatten seinerzeit ein Bündnis mit "Rifondazione comunista", den Kommunisten, die nie wirklich ein stabiles Bündnis wollten. Sie haben Prodi gestürzt. Ich bin der Meinung, wenn wir Wert auf Stabilität und Solidität legen, sollten wir sie diesmal nicht formell einbinden.

Worum geht es bei dieser Wahl am 13. Mai?

Wir müssen vor dieser Wahl klar machen, dass Italien schneller werden muss: In der Wirtschaft, bei der Verbesserung seiner öffentlichen Dienstleistungen, wenn es um die Reduzierung der Bürokratie geht. Es muss sein Sozialsystem verbessern, seine Infrastruktur und seine Umweltpolitik und vor allem das Problem des Mezzogiorno lösen. Wir haben heute im Norden eine Arbeitslosigkeit von unter vier Prozent, im Süden liegt sie über 20 Prozent. In den nächsten fünf Jahren will ich diese Arbeitslosenzahl halbieren. Das hieße für den Süden: Investitionen, Infrastruktur, weniger Bürokratie, mehr Sicherheit, die richtigen Anreize.

Das würden wir sicher auch im Wahlprogramm von Silvio Berlusconi finden.

Nein, das sind die Prioritäten Italiens. Und uns kann man sie glauben. Wir haben unsere Versprechen in den vergangenen fünf Jahren schließlich gehalten, im Gegensatz zur Rechten, die unglaubwürdige und unrealisierbare Vorschläge gemacht hat.

Vielen gelten Sie als wenig glaubwürdig. Sie haben mehrere Parteiwechsel hinter sich; Schönling, Jedermanns Liebling, sind die Etiketten, die man Ihnen anheftet.

Ich akzeptiere alle. In der Politik muss man dazu bereit sein. Im letzten Monat bin ich im Wahlkampf allerdings etwa 250 000 Menschen begegnet und habe dabei keine dieser Bezeichnungen gehört.

Hilft es einem modernen Politiker, wenn er wenig ideologische Bindungen hat?

Es schadet nicht in Zeiten, da Ideologien ihre Kraft verlieren. Ich bin in Rom, wo die Wähler außerordentlich gemäßigt sind, mit 61 Prozent zum Bürgermeister wiedergewählt worden. Der Punkt war, dass ich ein Projekt hatte. Wahlen gewinnt man nur so.

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