Politik : Frankfurt/Main: Schwarz-Gelb-Rot-Grün

Christoph Schmidt Lunau

Sichtlich erleichtert präsentierte sich die Frankfurter Oberbürgermeisterin, Petra Roth (CDU), als sie am Freitag den Abschluss quälender Pokerrunden bekannt geben konnte: CDU, SPD, Grüne und FDP haben im Frankfurter Stadtparlament ein "Römer-Bündnis 2006" geschlossen, das bis zur nächsten Kommunalwahl die Geschicke der Stadt lenken will.

Dabei soll der hauptamtliche Magistrat sogar auf acht Dezernate verkleinert werden, um Kosten zu sparen. Es sei zwar "kein Jubel" aufgekommen, als zwei Stunden nach Mitternacht der Durchbruch erzielt war, berichtete der CDU-Kreisvorsitzende, Innenstaatssekretär Udo Corts, am Freitag dem Tagesspiegel. Er lobte jedoch die ernste Absicht, "das Ding jetzt gemeinsam so umzusetzen."

Mit ihrem Angebot, einen ihrer vier Dezernenten zu Gunsten der FDP zu opfern, hatte die Union zuletzt SPD und Grüne in Zugzwang gebracht. Als in der Nacht zum Freitag der grünen Schuldezernentin Jutta Ebeling mit der Umweltpolitik zusätzlich die Zuständigkeit für ein Kernthema ihrer Partei zugestanden worden war, hatten sich schließlich auch die Grünen (14,1 Prozent bei der Kommunalwahl), wie die FDP (4,6 Prozent), mit nur einem Dezernat abfinden müssen. "Nicht unclever" habe die CDU die Daumenschrauben angezogen, räumt Manuela Rottmann, Sprecherin des Grünen-Kreisvorstands, ein.

Die schwierige Mehrheitsbildung war sechs Monate nach der Kommunalwahl zuletzt zum Gespött der Bürger geworden. "Wie im Kindergarten" gehe es in der Frankfurter Stadtpolitik zu, schimpfte ein Bürger auch am Morgen nach der Einigung im Hessischen Rundfunk; den "Verlust jeder Opposition" beklagte ein anderer, weil das Viererbündnis über 81 von 93 Sitzen im Stadtparlament verfügt. "Politik ohne Ideologie" dagegen verspricht sich CDU-Chef Corts von dem breiten Bündnis, dem jetzt allerdings erst einmal schwierige Haushaltsberatungen bevorstehen.

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