Franko-afrikanischer Gipfel : In Nizza tagt ein Ritual aus der Vergangenheit

An diesem Montag werden knapp 40 afrikanische Staats- und Regierungschefs in Nizza erwartet. Die Treffen gehen zurück auf den früheren französischen Staatschef Georges Pompidou.

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Berlin – Es ist ein Ritual. Alle paar Jahre treffen sich afrikanische Staats- und Regierungschefs mit dem französischen Präsidenten zum franko-afrikanischen Gipfel – mal in Frankreich, mal auf dem Schwarzen Kontinent. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hatte in seinen Wahlkampfreden vor drei Jahren noch den Eindruck vermittelt, als wolle er die kostspieligen Prestigetreffen im Sinne einer neuen Pariser Afrikapolitik abschaffen. Doch am Ende hat er sich der Tradition und nicht zuletzt dem Willen zahlreicher afrikanischer Politiker doch gebeugt: An diesem Montag werden knapp 40 afrikanische Staats- und Regierungschefs in Nizza erwartet.

Die Treffen gehen zurück auf den früheren französischen Staatschef Georges Pompidou, der erstmals 1973 zu einem Gipfel nach Paris einlud. Die Initiative ging damals von dem nigerianischen Präsidenten Hamani Diori aus, der als Sachwalter der Pariser Interessen in Afrika galt und dessen Land bis heute eine entscheidende Rolle für die Uranversorgung Frankreichs spielt. Zu den Teilnehmern gehörte seinerzeit auch der autokratische Herrscher der Zentralafrikanischen Republik, Jean-Bédel Bokassa, der sich später als Kaiser Bokassa I. krönen ließ.

Auch wenn seit den neunziger Jahren nichtfrankophone afrikanische Staaten an den Gipfeln teilnehmen, so wurden die Treffen doch nie den Ruch der postkolonialen Klüngelei los. Eliten aus Frankreich und dessen ehemaligen Kolonien treffen Vereinbarungen im gegenseitigen Interesse – diese Marschroute beherrschte die Pariser Afrikapolitik über Jahrzehnte hinweg. Während seines Wahlkampfs im Jahr 2007 kündigte Sarkozy an, dass er mit Frankreichs traditioneller Politik gegenüber den Ex-Kolonien brechen wolle. Die enge Zusammenarbeit mit korrupten Regimen auf dem Schwarzen Kontinent zur Sicherung von Rohstoffen und Absatzmärkten solle der Vergangenheit angehören, forderte Sarkozy. Stattdessen versprach er mehr Transparenz und einen stärkeren Einsatz für eine gute Regierungsführung. Allerdings wurden die Hoffnungen auf einen echten Neuanfang schnell enttäuscht. Im Juli 2007 besuchte der neue Amtschef im Elysée-Palast das zentralafrikanische Gabun, das neben Senegal zu den engsten Verbündeten Frankreichs auf dem Kontinent gehört. Sarkozy traf den inzwischen verstorbenen Dauerregenten Gabuns, Omar Bongo. Der hatte den Ölreichtum seines Landes in ein persönliches Millionenvermögen umgemünzt.

„Sarkozys Versprechen, mit der alten Pariser Afrikapolitik zu brechen, ist bis heute nicht verwirklicht“, erklärte Ulrich Delius, Afrikareferent der Gesellschaft für bedrohte Völker, am Vorabend des franko-afrikanischen Gipfels in Nizza. Noch immer, so Delius, hätten die Sicherung des Zugangs zu Rohstoffen, Machtinteressen, Vetternwirtschaft und Korruption in der Pariser Afrikapolitik Vorrang vor den Menschenrechten. Als Beispiel führte der Afrikaexperte die „bedingungslose Unterstützung“ Frankreichs für den Präsidenten des Tschad, Idriss Déby, an. Die Gesellschaft für bedrohte Völker wirft Déby vor, den Krieg im benachbarten Sudan zu schüren.

Das zweitägige Treffen, das Frankreichs Präsident gemeinsam mit dem ägyptischen Staatschef Hosni Mubarak leitet, werde ein „Gipfel der Erneuerung“ werden, versprach der Pariser Staatssekretär Alain Joyandet dagegen. Vertreter der Zivilgesellschaft und privater Unternehmen werden erstmals vertreten sein. Dafür soll es das traditionelle Abendessen, das der exklusiven Runde der frankophonen Staats- und Regierungschefs vorbehalten war, nicht mehr geben.

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