Frankreich : Angst vor neuer Gewaltwelle

Fast ein Jahr nach den Jugendkrawallen in den Vorstädten hat es eine Attacke auf zwei Bereitschaftspolizisten gegeben. Jetzt geht die Angst vor einer neuen Welle der Gewalt in Frankreich um.

Paris/Bobigny - Innenminister Nicolas Sarkozy versprach, alle etwa zwanzig unbekannten Täter festzunehmen, die am Vorabend zwei Beamten der Bereitschaftspolizei CRS aufgelauert und sie schwer verletzt hatten. Dies "garantiere" er. "Wir werden jeden einzelnen suchen." Der Fall sowie Berichte über gestiegene Gewalt im Unruhe-Bezirk Seine-Saint-Denis lösten eine scharfe politische Debatte aus. Premierminister Dominique de Villepin kündigte "angemessene Antworten" an.

Beamte überfallen

Die beiden CRS-Beamten waren in der südwestlichen Pariser Vorstadt Corbeil-Essonnes mit einem Zivilfahrzeug auf Streife in der Sozialbau-Siedlung Les Tarterêts unterwegs, als der Wagen beworfen wurde. Der ranghöhere Polizist stieg aus und wurde nach Angaben der Polizei sofort eingekesselt, geschlagen und getreten. Er erlitt ein Schädeltrauma und verlor zwei Zähne. Beim Versuch, ihm zu helfen, wurde auch sein Kollege krankenhausreif geschlagen. Nach Angaben von Sarkozy hatten die Täter sich in einem Gebüsch am Straßenrand versteckt. Sie sollten nun unter anderem durch Fingerabdrücke an Resten von Pizza überführt werden, welche sie während des Wartens auf die Beamten gegessen hatten.

"In unserem Staatsgebiet gibt es weiterhin schwierige Punkte", sagte Villepin. Die Risiken für die Sicherheitskräfte sollten besser eingeschätzt werden. Der Vorfall zeige jedoch, "dass wir nicht nachlassen dürfen, sondern unser Vorgehen im Gegenteil verstärken müssen". Die Sozialisten erklärten ihre "Solidarität" mit den verletzten Beamten, kritisierten zugleich aber ein "Scheitern" der Sicherheitspolitik, die Sarkozy seit 2002 betrieben habe.

Ohnmacht von Polizei und Justiz

Der Präfekt von Seine-Saint-Denis, Jean-François Cordet, beklagte deutlich gestiegene Gewalt und die Ohnmacht von Polizei und Justiz in seinem Département, das im vergangenen Herbst der Ausgangpunkt der wochenlangen Unruhen in ganz Frankreich gewesen war. In einem von "Le Monde" zitierten Schreiben berichtete Cordet, die Kriminalität sei dort seit Jahresbeginn deutlich gestiegen. Mehrere Bürgermeister in Seine-Saint-Denis forderten die Wiedereinführung der so genannten Nachbarschaftspolizei, die von Sarkozy abgeschafft worden war.

Bei einem Besuch in Bobigny, dem Sitz des Präfekten von Seine-Saint-Denis, kritisierte Sarkozy die dortigen Justizbehörden scharf und hielt ihnen vor, sie kapitulierten von den Kriminellen: "Ich würde gern erklärt bekommen, wie man einen Kriminellen davon abhält, ein Wiederholungstäter zu werden, wenn man nicht den Mut hat, ihn ins Gefängnis zu stecken." Im Dezember werde er 300 zusätzliche Polizeibeamte in den Regierungsbezirk entsenden, kündigte der Konservative an.

(tso/AFP)

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