Frankreich : Assad bei Parade in Paris

Die Militärparade zum französischen Nationalfeiertag stand in diesem Jahr im Zeichen der UN-Blauhelme. Eine Kontroverse gab es um den Besuch des syrischen Präsidenten.

ParisVor dem Hintergrund der Sparpläne bei Frankreichs Streitkräften hat Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Montag die traditionelle Militärparade zum Nationalfeiertag in Paris abgenommen. Unmut hatte zudem die Anwesenheit des syrischen Präsidenten Baschar al Assad ausgelöst, den Sarkozy zusammen mit den anderen Teilnehmern des vorausgegangenen Mittelmeer-Gipfels eingeladen hatte. Unter den Gästen auf der Ehrentribüne waren auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mehr als 40 Staaten aus Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten wollen mit der Mittelmeerunion, die am Sonntag aus der Taufe gehoben worden war, ihre wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit stärken. Frankreich und Ägypten übernehmen zunächst den gemeinsamen Vorsitz des Bündnisses, das der 1995 in Barcelona begründeten Zusammenarbeit neuen Schwung geben soll.

Die Militärparade stand in diesem Jahr im Zeichen der UN-Blauhelme, deren Einsatz für den Frieden durch die Teilnahme einer Abordnung der im Libanon stationierten multinationalen Truppe Finul geehrt wurde. Ein Höhepunkt der Parade war erreicht, als Maschinen der Luftwaffe am wolkenlosen Himmel das Blau-Weiß-Rot der französischen Trikolore malten. Nach dem Ende der Parade nahm Sarkozy demonstrativ gemeinsam mit Frau Carla und Kanzlerin Merkel ein Bad in der Menge. Kurz vor Beginn der Parade hatte die Polizei den Generalsekretär der Organisation „Reporter ohne Grenzen“, Robert Menard, sowie zehn weitere Personen festgenommen. Unter dem Ruf „Freiheit für Syrien“ hatten sie versucht, die Absperrungen zu überwinden. Neben offenen Protesten von Veteranen hatte es in den vergangenen Tagen auch anonym geäußerte Vorbehalte aus den Streitkräften gegen die Anwesenheit Assads gegeben. Syrien wird vorgeworfen, für einen Sprengstoffanschlag 1983 auf die internationale Schutztruppe im Libanon verantwortlich zu sein.

Mit Lobesworten für die Leistungen französischer Soldaten suchte Sarkozy in einem Fernsehinterview die Spannungen abzubauen, die sich in jüngster Zeit zwischen den Streitkräften und ihm als oberstem Befehlshaber aufgebaut hatten. Eine Gruppe hoher Offiziere hatte unter Pseudonym die Sparpläne im neuen Weißbuch zur Verteidigung kritisiert. Den Soldaten drohen jetzt Disziplinarmaßnahmen.

Die befreite Geisel der kolumbianischen FARC-Rebellen, Ingrid Betancourt, wurde unterdessen in die französische Ehrenlegion aufgenommen. Sarkozy verlieh ihr am Montag bei den Feiern zum Nationalfeiertag den Titel „Ritter der Ehrenlegion“. In den sechs Jahren in Händen „mittelalterlicher Folterknechte“ habe Betancourt „Würde, Anstand, Stolz und Mut“ bewahrt. „Die Republik möchte Ihnen ihre Bewunderung, ihre Dankbarkeit bezeugen“, sagte Sarkozy bei der Zeremonie während der traditionellen Gartenparty zum 14. Juli im Elysée-Palast. hhb/AFP/dpa

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