Frankreich : Bewegung an der Streikfront

Im Konflikt um die Rentenreform gehen Gewerkschaften und Regierung aufeinander zu. Dennoch gibt es massive Verkehrsbehinderungen.

Hans-Hagen Bremer

Paris - Sechs Monate nach dem Amtsantritt von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat ein unbefristeter Streik der Eisenbahner das Land in ein Verkehrschaos gestürzt. Allerdings könnte der Ausstand ein rascheres Ende finden als angenommen: Am Mittwoch traf sich Arbeitsminister Xavier Bertrand mit den Führern mehrerer Gewerkschaften zu Einzelgesprächen, um über Auswege aus der Krise zu beraten. Im Anschluss berichtete Bertrand Staatspräsident Sarkozy, der zuvor die Repräsentanten der betroffenen staatlichen Unternehmen empfangen hatte. Nach Mitteilung des Elysee-Palastes beauftragte Sarkozy den Arbeitsminister, den Gewerkschaften sofort konkrete Vorschläge für das weitere Vorgehen zu übermitteln. Trotz der Annäherung zwischen Regierung und Gewerkschaften soll der Eisenbahnerstreik auch an diesem Donnerstag fortgesetzt werden.

Den Anstoß zu der Wende hatte Bernard Thibault gegeben, der Generalsekretär der bei der Eisenbahn, den Verkehrsbetrieben und den Versorgungsunternehmen am stärksten vertretenen Gewerkschaft CGT. In einem Gespräch mit Arbeitsminister Bertrand war er am Vortag auf den Vorschlag der Regierung eingegangen, Lösungen für Härtefälle bei jeder Rentenkasse einzeln auszuhandeln. Bis dahin hatte er auf globalen Verhandlungen zwischen Regierung, Gewerkschaften und den betroffenen Unternehmen über Änderungen des Reformplans bestanden, was die Regierung jedoch ablehnte. Thibaults Nachgeben wurde am Mittwoch von Claude Guéant, dem Generalsekretär des Elysee-Palastes, mit den Worten kommentiert, der CGT-Chef habe den Weg für ein Ende der Krise „vom ersten Tag an“ geebnet. Trotz dieser optimistischen Prognosen stimmten am Mittwochnachmittag die Eisenbahner in Nantes, Caen und Le Mans für eine Fortsetzung des Streiks um 24 Stunden. Abstimmungen in anderen Bahndepots sowie bei den Pariser Nahverkehrsbetrieben standen noch aus.

Während des Berufsverkehrs am Morgen war es durch den Ausfall von Vorortzügen, Schnellbahnen, Metro und Bussen in ganz Frankreich zu zahlreichen Verkehrsstaus gekommen. In Paris verkehrte nur jede fünfte U-Bahn. Von sonst 700 TGV-Verbindungen konnten nur 90 beibehalten werden. Auch im Zugverkehr zwischen Deutschland und Frankreich kam es zu Störungen. Zwischen Paris und Frankfurt am Main sowie Stuttgart fielen mehrere Züge aus. Beim Hochgeschwindigkeitszug Thalys zwischen Paris und Köln kam es zu Verspätungen. Der Eurostar Paris–London konnte ungeachtet des Streiks seinen Betrieb auf der neuen Strecke aufnehmen, die beide Städte in zwei Stunden und 15 Minuten verbindet. Bei der Stromversorgung kam es zu gezielten Unterbrechungen, von denen unter anderen der Sitz der Regierungspartei UMP sowie des Arbeitgeberverbandes Medef betroffen waren. Hans-Hagen Bremer

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