Frankreich : Chirac nimmt Parade zum Nationalfeiertag ab

Zum französischen Nationalfeiertag hat Staatspräsident Jacques Chirac zum wahrscheinlich letzten Mal die traditionelle Militärparade auf den Champs-Elysées abgenommen. Trotz höchster Sicherheitsvorkehrungen brannten in den Pariser Vorstädten mehrere Dutzend Autos.

Paris - Unter dem Schutz von 5000 Polizeibeamten ließ sich Chirac in einem offenen Militärfahrzeug über den Pariser Prachtboulevard fahren, ehe er die Parade von Vertretern aller französischer Armeeeinheiten verfolgte. Neun Armeejets zogen Rauchfahnen in den Nationalfarben blau, weiß und rot in den Himmel. Gut 3500 Soldaten und 250 Reiter paradierten an den Zuschauern vorbei. Erstmals seit drei Jahren waren wieder Panzer des Typs Leclerc mit von der Partie. Nach Beschwerden über Schäden am Straßenbelag waren sie vorübergehend von der Teilnahme verbannt worden.

Für den 73-jährigen Chirac war es aller Wahrscheinlichkeit nach der letzte Auftritt als Präsident an einem Nationalfeiertag. Im kommenden April stehen in Frankreich Präsidentschaftswahlen an. Zwar hat Chirac bislang eine Kandidatur für eine dritte Amtszeit nicht ausgeschlossen; wegen seiner anhaltend niedrigen Beliebtheitswerte in Umfragen wird ihm aber kaum eine Chance auf einen Sieg eingeräumt. Bei einer Umfrage im Juni hatten sich nur 22 Prozent der Befragten mit Chirac zufrieden erklärt.

Die Parade in Paris unterlag erneut strengen Sicherheitsbestimmungen, um einen Anschlagsversuch wie den von 2002 auf Chirac zu verhindern. Zur Vorbeugung von Gewaltakten war zudem der Verkauf von Treibstoff in Kanistern in mehreren Départements verboten worden. Im Département Seine-Saint-Denis bei Paris registrierte die Polizei in der Nacht von Donnerstag auf Freitag 51 in Brand gesteckte Autos. 47 Verdächtige seien im Zusammenhang mit den Brandstiftungen festgenommen worden. Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten wurden nicht gemeldet.

In zahlreichen französischen Städten war schon am Mittwochabend mit Feuerwerken und Konzerten an die Erstürmung des Pariser Bastille-Gefängnisses am 14. Juli 1789 erinnert worden. Dieses Ereignis gilt als Beginn der Französischen Revolution.

Das renommierte britische Nachrichtenmagazin "The Economist" stellte Chirac unterdessen ein vernichtendes Zeugnis über seine Amtszeit aus. Unter der Führung des bürgerlichen Präsidenten seien Arbeitslosigkeit und Verschuldung gestiegen. "Nach elf Jahren als Präsident verkörpert Chirac das Unvermögen, sich selbst zu erneuern", urteilte das Magazin. "Es ist offensichtlich, dass Jacques Chirac seine elf Jahre als Präsident verschwendet hat." (tso/AFP)

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