Frankreich : Exemplarische Strafen

Nach dem schweren Brandanschlag auf einen Bus in Marseille hat die französische Regierung eine schnelle und harte Bestrafung der Täter zugesichert. "Wir werden sie finden", sagte Innenminister Nicolas Sarkozy in Paris.

Paris - Dies habe er der Familie der 26-jährigen Frau versprochen, die bei dem Vorfall vom Samstagabend lebensgefährliche Verbrennungen erlitten hatte. Gut ein Jahr nach den landesweiten Vorstadt-Krawallen kam es in der Nacht zu dutzenden Brandanschlägen auf Autos. Meist wurden laut Feuerwehr aber nur wenig mehr als normal gezählt. In Grenoble wurde ein Straßenbahnfahrer leicht verletzt, als Unbekannte einen Pflasterstein von einer Brücke warfen.

"Ich verlange exemplarische Strafen", sagte Sarkozy zu dem Vorfall von Marseille. Er forderte erneut, minderjährige Straftäter härter zu bestrafen, nachdem bei dem Brandanschlag auf den Bus auch unter 18-Jährige beteiligt gewesen sein sollen. "Wenn man einen Kanister Benzin über ihnen ausgießt, glauben Sie, dass es wichtig ist, ob der Täter achtzehneinhalb oder siebzehneinhalb Jahre alt ist?", sagte Sarkozy. Premierminister Dominique de Villepin forderte Zeugen des "barbarischen Verbrechens" auf, sich schnellstmöglich zu melden. Es gebe nun auch die Möglichkeit, dies anonym zu tun. Der Verband der Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel (FUTSP) hatte zuvor kritisiert, dass in den Vorstädten ein Schweigegebot gelte, hinter dem sich Täter verstecken könnten.

Studentin schwebt in Lebensgefahr

Die in dem Bus verletzte Studentin senegalesischer Abstammung schwebte weiter in Lebensgefahr, wie die Krankenhausverwaltung in Marseille mitteilte. Sie hat schwere Verbrennungen an 70 Prozent des Körpers erlitten und musste zur Behandlung in ein künstliches Koma versetzt werden. Krankenhausarzt Jean-Claude Manelli sagte, es werde wohl erst in drei Wochen klar sein, ob die Frau überleben werde.

In der Nacht meldete die Feuerwehr im Großraum Lyon 32 in Brand gesetzte Autos. Der am Sonntagabend in Grenoble verletzte Straßenbahnfahrer musste im Krankenhaus behandelt werden. Laut den dortigen Verkehrsbetrieben wurde er von Glassplittern der durch den Pflasterstein geborstenen Windschutzscheibe seiner Bahn im Gesicht verletzt. Landesweit hatte die Regierung in den vergangenen Tagen 4000 Polizisten zusätzlich eingesetzt, um ein Wiederaufflammen der landesweiten Unruhen um den ersten Jahrestag des Beginns der Vorstadt-Krawalle zu verhindern.

Hollande kritisiert Sarkozy

Heftige Reaktionen in der konservativen Regierungspartei UMP rief Sozialistenchef François Hollande mit seiner am Sonntag geäußerten Kritik an Sarkozy hervor. Er hatte den Innenminister als "Teilzeitminister" verspottet und ihn für die Ausdünnung ständig stationierter Polizeivertreter in den Problemvierteln verantwortlich gemacht. Der UMP-Senator Philippe Goujon sprach von "Pinocchio-Lügen". Das Bild des "Allround-Polizisten, der gleichzeitig Kumpel und Lehrer ist, zügelt und Fußball spielt, hat sich als Mythos erwiesen", erklärte er. Die so genannte Nachbarschaftspolizei habe nichts gebracht; unter dem sozialistischen Premier Lionel Jospin sei die Kriminalität zwischen 1997 und 2002 gar um 17 Prozent gestiegen. (tso/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben