Frankreich : Gegen Antisemitismus

Die Beteiligung der Rechtsparteien droht die Demonstration der Einheit Frankreichs gegen den Antisemitismus nach der Ermordung eines Juden zu sprengen.

Paris - Die Rechtsparteien Nationale Front (FN) und Volksbewegung für Frankreich (MPF) kündigten am Freitag ihr Kommen zu der Pariser Kundgebung der großen Parteien, Religionsvertreter und Menschenrechtsgruppen am Sonntag an. Daraufhin sagte die Antirassismus-Bewegung MRAP ihre Teilnahme ab. Die Menschenrechtsliga (LDH) forderte den Ausschluss der Rechten.

Am Donnerstagabend hatten Präsident Jacques Chirac, der Pariser Erzbischof André Vingt-Trois, der Präsident des Muslimverbandes CFCM, Dalil Boubakeur, und zahlreiche Politiker und Verbandsvertreter in der Pariser Synagoge la Victoire an einer Trauerfeier für den ermordeten Ilan Halimi teilgenommen. Tausende Bürger drängten sich vor der überfüllten Synagoge, um ihr Mitgefühl auszudrücken. «Es gibt ein Frankreich vor und eines nach Ilan», sagte Großrabbiner Joseph Sitruk. «Frankreich hat seine Seele nicht verloren.» Die große Solidarität zeige den Juden, dass sie dauerhaft ein integraler Bestandteil Frankreichs seien. Premierminister Dominique Villepin rief zur nationalen Solidarität auf.

Halimi war von einer Erpresserbande aus dem muslimischen Einwanderermilieu gefoltert und ermordet worden. Die Täter hielten ihn wegen seiner Religion für reich. Gegen 13 Verdächtige wurden Verfahren eingeleitet. Der Kopf der Bande, Youssef Fofana, der sich «Das Gehirn der Barbaren» nennt, wurde in Abidjan in Elfenbeinküste festgenommen und soll ausgeliefert werden. Der 25-Jährige bestätigte, Halimi wegen seiner Religion als Entführungsopfer ausgesucht zu haben, bestritt aber antisemitische Beweggründe. (tso/dpa)

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