Frankreich : Geliebte? Lebensgefährtin? Première Dame?

Frankreichs Staatspräsident hat eine neue Freundin. Offiziell ist das nicht - doch jetzt begleitete Julie Gayet ihren Großvater zu einer Gedenkveranstaltung, bei der auch François Hollande anwesend war.

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Zufällig da? Die Schauspielerin Julie Gayet bei einer Gedenkveranstaltung, die auch Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande besuchte.
Zufällig da? Die Schauspielerin Julie Gayet bei einer Gedenkveranstaltung, die auch Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande...Foto: Charles Platiau/Reuters

In der Verfassung der Republik ist sie nicht vorgesehen, die Première Dame. Es gibt auch kein Gesetz, in dem die Rolle beschrieben wäre, die der Frau des Staatspräsidenten als „der ersten Dame“ Frankreichs zukommt, zumal wenn der Hausherr des Elysée-Palastes mit der Frau an seiner Seite gar nicht verheiratet ist.

Das kann, wie in der angelsächsischen Presse beim Staatsbesuch geschehen, zur spöttischen Bezeichnung als „first girlfriend“ für Valérie Trierweiler, die Ex-Partnerin des derzeitigen Amtsinhabers François Hollande führen. Über die Beziehung zu seiner neuesten Lebensabschnittsgefährtin, der Schauspielerin Julie Gayet, hat Hollande daher von Anfang an ein Tabu verhängt. Das private Leben müsse privat bleiben, hat er bisher alle Fragen nach einer Offizialisierung seines Verhältnisses zu der Schauspielerin abgewehrt.

Sie hielt sich diskret zurück

Dieses Tabu scheint jetzt aufzubrechen: Am Donnerstag, dem 75. Jahrestag des Appells, mit dem Charles de Gaulle 1940 die Franzosen zum Widerstand gegen Nazi- Deutschland aufrief, erschien Gayet bei der traditionellen Gedenkfeier auf dem Mont Valérien bei Paris erstmals seit ihrer Romanze mit Hollande bei einem offiziellen Anlass.

Sie begleitete nicht den Präsidenten, sondern ihren Großvater Alain (92), der sich damals als „Compagnon de la Libération“ dem General angeschlossen hatte. Während der Zeremonie hielt sie sich diskret im Hintergrund. Kein gemeinsamer Auftritt also, aber auch kein Zufall, von dem Hollande nichts gewusst hätte, wurde sofort spekuliert. Vielmehr habe es sich um den ersten Schritt einer „Strategie des Outing“ zur „versuchsweisen“ Einführung einer First Lady in die „Landschaft des Präsidenten“ gehandelt.

Julie Gayet, die kürzlich 43 Jahre alt wurde, suche das Licht, meint „Paris Match“. Den Elysée-Palast betrete sie nur durch ein Gartentor. Das ist ihr wohl zu lästig. Auch für Hollande wird es immer schwieriger, das Versteckspiel fortzusetzen. Als Fotos in einem Klatschblatt erschienen, die ihn und Gayet auf der Terrasse seiner Privatgemächer in der Sonne zeigen, wurden als illoyal verdächtigte Bedienstete umgehend strafversetzt. Das alles bleibt nicht geheim.

Geradezu absurd wird es, wenn Hollande, wie beim Staatsempfang für das spanische Königspaar, nicht unbegleitet repräsentieren kann: Da holte er sich Umweltministerin Ségolène Royal an die Seite – seine erste Frau und Mutter seiner vier Kinder. Sie gilt nun als „Vizepräsidentin“.

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