Politik : Frankreich: Handgemachte Schuhe und antike Statuetten

Eric Bonse

Die französische Justiz macht neue Schlagzeilen. Am Montag begann in Paris unter großem Medienwirbel der Prozess gegen den ehemaligen Außenminister Roland Dumas, dem Beihilfe zu Veruntreuung vorgeworfen wird. Am heutigen Dienstag muss der Europäische Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg über ein Haftentlassungsbegehren des früheren Vichy-Beamten Maurice Papon befinden. Der 91-jährige Papon verbüßt seit Oktober 1999 eine zehnjährige Haftstrafe wegen "Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Beide Affären haben in Frankreich heftige Kontroversen ausgelöst. Im Fall Papon geht es um die Frage, ob die Justiz das Recht hat, Greise bis zum Lebensende hinter Gittern zu halten. Der ehemalige sozialistische Justizminister Robert Badinter und der liberale Ex-Premier Raymond Barre haben sich für eine vorzeitige Haftentlassung Papons aus humanitären Gründen ausgesprochen. Allerdings hat Papon, dem Beihilfe zu Judendeportationen im Zweiten Weltkrieg nachgewiesen wurde, bis heute kein Zeichen der Reue gezeigt. Staatspräsident Jacques Chirac hat deshalb zwei Gnadengesuche abgelehnt.

Völlig anders ist der "Fall Dumas" gelagert, der Frankreich in den nächsten drei Wochen in Atem halten dürfte. Hier geht es nicht um die dunkle Vichy-Vergangenheit während des Zweiten Weltkriegs, sondern um den glamourösen Lebenswandel eines sozialistischen Ministers in der Ära Mitterrand Ende der achtziger Jahre. Dumas muss sich eine Liebesaffäre mit Christine Deviers-Joncour vorhalten lassen, die als "Hure der Republik" (so ein Buchtitel) vom damals noch staatlichen Mineralölkonzern Elf-Aquitaine 64 Millionen Francs (9,75 Millionen Euro) abkassiert haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft beiden Veruntreuung von Firmenvermögen vor. Neben dem Ex-Minister und Devier-Joncour müssen sich weitere fünf Angeklagte wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder oder Beihilfe dazu verantworten, darunter der damalige Elf-Chef Loik Le Floch-Prigent.

Ob sich nachweisen lässt, dass Dumas von der Herkunft der Geschenke wusste - Deviers-Joncours offerierte ihrem prominenten Geliebten unter anderem ein Paar handgemachte Schuhe im Wert von 3300 Mark und antike Statuetten im Wert von 90 000 Mark - steht dahin. Noch fraglicher ist, ob der Prozess die umstrittene Lieferung französischer Fregatten an Taiwan erhellen kann, für die Deviers-Joncour angeblich bei Ex-Außenminister Dumas werben sollte.

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