Frankreich : In den Fußstapfen des Vaters

Dem politischen Aufstieg des Jean Sarkozy scheint nichts im Wege zu stehen. Nach seinem aufsehenerregenden Start bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr schickt sich der Sohn des französischen Staatspräsidenten an, nach einem der wichtigsten Ämter in der Verwaltung der Hauptstadtregion Ile-de-France zu greifen.

Hans-Hagen Bremer

Paris - Dem politischen Aufstieg des Jean Sarkozy scheint nichts im Wege zu stehen. Nach seinem aufsehenerregenden Start bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr schickt sich der Sohn des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy jetzt an, nach einem der wichtigsten Ämter in der Verwaltung der Hauptstadtregion Ile-de-France zu greifen. Die Fraktion der Regierungspartei UMP im Generalrat des Departements Hauts-de-Seine, deren Vorsitzender er ist, will den 23-jährigen Jurastudenten auf den Posten des Präsidenten der öffentlich-rechtlichen Entwicklungsgesellschaft Epad des im Westen von Paris gelegenen Geschäfts- und Büroviertels La Défense hieven. Die Wahl soll Anfang Dezember erfolgen. An ihrem Ausgang gibt es angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Parlament des Departements keine Zweifel.

Daran werden wohl auch die Proteste nichts ändern, die sich gegen diese Form des Nepotismus richten. Präsident Sarkozy solle sich lieber ums Gemeinwohl kümmern als um die Karriere seines Sohnes, sagte die ehemalige sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal. Ihr Parteifreund Manuel Valls warf dem Präsidenten vor, sich über seinen Clan den Zugriff auf den Tresor eines der reichsten Departements Frankreichs sichern zu wollen. Eine Petition, in der der Sohn des Präsidenten zur Rücknahme seiner Bewerbung um dieses Amt aufgefordert wird, wurde innerhalb weniger Tage von Tausenden von Bürgern unterschrieben.

Der Vorsitzposten ist zwar ein unbezahltes Verwaltungsamt. Dessen Inhaber übt jedoch einen großen Einfluss auf die weitere Urbanisierung des Pariser Westens aus. Von 2004 bis zu seiner Wahl zum Staatsoberhaupt war Präsident Sarkozy als damaliger Innenminister und Präsident des Rats des Departements selbst Vorsitzender der Entwicklungsgesellschaft. Mit seinem Sohn in diesem Amt würde der Staatschef mit seinen lokalen Gefolgsleuten dort weiter über die Entwicklung herrschen. Die Kritiker halten Jean Sarkozy vor, dass er mit seinen 23 Jahren und einem noch lange nicht abgeschlossenen Jurastudium nicht die nötige Erfahrung für dieses Amt mitbringe. Die Epad verwaltet nach eigenen Angaben mit einer Nutzfläche von 160 Hektar eines der größten Büro- und Geschäftszentren Europas, in dem 160 000 Beschäftigte arbeiten. Hans-Hagen Bremer

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