Frankreich : Jugendliche randalieren in Pariser Vorstadt

Mehrere Dutzend Jugendliche haben in einem Vorort von Paris Polizisten angegriffen. Autos und Gebäude brannten, mehrere Beamte wurden durch Schüsse aus einem Schrotgewehr verletzt. Auslöser der schweren Krawalle war ein Unfall mit tödlichem Ausgang.

Stéphane Jourdain,Katell Prigent
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Ein ausgebranntes Auto in Villiers-le-Bel. -Foto: AFP

Villiers-le-BelEin tödlicher Verkehrsunfall mit einem Polizeiwagen hat ausgereicht, um in Villiers-le-Bel alle Wut hochkochen zu lassen. "Es hat keine fünf Minuten gedauert, bis es geknallt hat", sagt ein Anwohner aus dem Vorort im Norden von Paris, in dem viele Ausländer leben und nur wenige Arbeit haben. Empörte Jugendliche setzten nahezu alles in Brand, was ihnen unterkam. Polizisten bekamen Schläge mit der Eisenstange ab. "Das ist keine Gewalt, das ist Wut", sagt der Bruder eines getöteten Jungen. Die für den Unfall verantwortlichen Polizisten müssten bestraft werden.

Dutzende Jugendliche zogen am Sonntagabend durch die Straßen von Villiers-le-Bel, nachdem zwei Jungen auf ihrem Minibike mit einem Polizeiwagen zusammengestoßen waren. Der 15-jährige Muschin und der 16-jährige Larami starben noch am Unfallort. Kurz darauf brannten eine Tankstelle, eine Polizeiwache und zwei Werkstätten ab. Jugendliche steckten mindestens 28 Autos und fast ebenso viele Mülltonnen in Brand, demolierten Geschäfte und das Bahnhofsgebäude. Nur die beiden Unfallfahrzeuge rührten sie nicht an - jeder solle die Blutspuren am Boden sehen, sagten sie. Vor der verunglückten Minicrossmaschine lag noch der Turnschuh eines Toten.

Die Polizei erklärte nach dem Unfall, der Streifenwagen sei mit normaler Geschwindigkeit gefahren, als das Minibike ihn an einer Kreuzung von links gerammt habe. Mehrere Zeugen bestätigten, dass die beiden Jugendlichen keinen Helm trugen. Die "beiden Kleinen" hätten auf den Feldern Motocrossfahren wollen, sagte der ältere Bruder von einem, Omar Sehhuli. Alle Polizisten, die für ihren Tod verantwortlich seien, müssten verurteilt werden, forderte er.

"Nicht für den Straßenverkehr zugelassen"

Bürgermeister Gilbert Roger aus Bondy im angrenzenden Verwaltungsbezirk betonte dagegen, wie gefährlich die kleinen Crossmaschinen seien. "Sie sind nicht für den Straßenverkehr zugelassen. Sie haben kein Licht und sind sehr klein. Ein Autofahrer sieht sie nicht", sagte Roger der Tageszeitung "Le Parisien". Trotzdem rasten die Jugendlichen damit durch die Vorstädte und frisierten die Maschinen teils noch auf, so dass sie mehr als siebzig Stundenkilometer schnell seien. "Diese Teile sind eine echte Gefahr", sagte der Bürgermeister.

Der Unfall mit einer Minicrossmaschine führte jetzt in Villiers-le-Bel zu einem spontanen Gewaltausbruch. Dies schreckte die Behörden umso mehr auf, als die landesweiten Vorstadtkrawalle vor zwei Jahren durch einen ähnlichen Fall ausgelöst wurden. Damals versteckten sich zwei Jugendliche auf der Flucht vor der Polizei in einem Hochspannungstransformator und starben an Stromschlägen. Villiers-le-Bel war auch damals ein Brennpunkt der Krawalle.

Ermittlungen zum Unfall eingeleitet

In der Nacht zum Montag setzte nach fast sechs Stunden "angespannte Ruhe" in dem Vorort ein, wie die Behörden erklärten. 25 Polizisten und ein Feuerwehrmann wurden verletzt, zwei von ihnen schwer. Die Polizei hatte aus der ganzen Umgebung Verstärkung angefordert, um die Unfallstelle räumen zu können und die Jugendlichen in Schach zu halten. Am Vormittag leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein. "Entweder kommt die Wahrheit heraus oder wir greifen selbst zur Justiz!", drohten aufgebrachte Jugendliche den Einsatzkräften an der Unfallstelle an. (mit AFP)

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