Frankreich : Neue Linkspartei erwartet "neues 1968"

Vier Monate vor der Europawahl entsteht in Frankreich eine neue Linkspartei. Die Aussichten auf ein zweistelliges Wahlergebnis sind gut - auch wenn sie nicht die einzige neue Bewegung im linken Parteienspektrum ist.

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Olivier Besancenot will mit der linken NPA Präsident Sarkozy angreifen. - Foto:AFP

Paris Etwa 600 Delegierte haben sich bis Sonntag zum Gründungskongress der Neuen Antikapitalistischen Partei NPA im Pariser Vorort La Plaine-Saint-Denis versammelt. Die NPA sei ein "Produkt des sozialen Widerstandes" gegen Präsident Nicolas Sarkozy, sagte ihr Gründer Olivier Besancenot am Freitagabend. Er erwarte ein "neues 1968" gegen Sarkozys liberale Politik.

Wissenschaftler räumen der Partei gute Chance auf Erfolg - etwa bei der im Juni stattfindenden Europawahl - ein. "Im aktuellen Umfeld sozialer Mobilisierung" könne die NPA "eine radikale Kraft schaffen, die das politische Lager erschüttert", erklärte der Parteienforscher Denis Pingaud der konservativen Zeitung "Le Figaro". Der 34-jährige Historiker Besancenot arbeitet als Briefträger und gilt Umfragen zufolge als beliebt und glaubwürdig. 2007 hatte er als Kandidat der Revolutionären Kommunistischen Liga LCR bei der Präsidentenwahl 4,1 Prozent der Stimmen erhalten.

Che Guevara ist das Vorbild

Die 1968 entstandene trotzkistische LCR hatte sich am Donnerstag aufgelöst, um in der "Regenbogenpartei" NPA aufzugehen, die viel Zulauf von jungen Leuten aus dem linken und alternativen Milieu hat. Als Vorbild der NPA bezeichnet Besancenot den lateinamerikanischen Revolutionär Ernesto Che Guevara. Die NPA hat zu ihrer Gründung 9000 Mitglieder, dreimal so viel wie bisher die LCR.

Vergangenes Wochenende hatten französische Linkspolitiker bereits eine komplett neue Partei gegründet. Die Parti de Gauche um den abtrünnigen sozialistischen Senator Jean-Luc Mélenchon hat die deutsche Linkspartei zum Vorbild. Auch sie lehnt den Kapitalismus sowie den Reformvertrag der Europäischen Union ab. (sf/dpa/AFP)

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