Frankreich : Nicolas Sarkozy will es wieder wissen

Politisches Comeback: Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy kandidiert an diesem Samstag für den Vorsitz der Konservativen. Doch das ist nur der erste Schritt. Er will die ganze Macht.

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Nicolas Sarkozy strebt wieder nach der Macht.
Nicolas Sarkozy strebt wieder nach der Macht.Foto: dpa

Es ist ein Jubiläum der besonderen Art. Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren wurde Nicolas Sarkozy erstmals zum Vorsitzenden der konservativen UMP gewählt. An diesem Samstag greift der ehemalige Staatschef erneut nach der Führung der französischen Rechten. Eine verlorene Präsidentenwahl, die Aufdeckung illegaler Wahlkampfausgaben, zerrüttete Parteifinanzen und interne Machtkämpfe prägten die Zeit zwischen diesen beiden Daten. Nun sind die 268 329 Mitglieder der finanziell am Boden liegenden Union pour un Mouvement Populaire aufgerufen, einen neuen Parteichef zu küren. Sarkozy hat laut Umfragen vor seinen Konkurrenten Bruno Le Maire und Hervé Mariton die besten Aussichten, aus der per Internet organisierten Urwahl hervorzugehen. Das Ergebnis soll noch am Abend feststehen.

Anfang September hatte der 59-jährige Ex-Präsident seine sich selbst auferlegte Zurückhaltung als Politpensionär aufgegeben. Er wolle – entgegen früherer Ankündigungen – als Parteichef auf die politische Bühne zurückkehren. Aus der UMP will er eine Volksbewegung machen, mit neuem Namen, neuem Programm, neuen Statuten, neuer Organisation und neuen Leuten. Mit wem, wie und welchem Ziel er die Erneuerung anstreben würde, blieb jedoch in dem mit Hektik betriebenen Wahlkampf ungesagt.

Nicolas Sarkozy geht es um die ganze Macht

Vermutlich sind dies auch die Fragen, die Sarkozy nicht sonderlich interessieren. Ihm geht es bei seinem Comeback um wirkliche Macht. Und die ist mit dem Elysée-Palast verbunden. Der Parteivorsitz ist für ihn nur eine unvermeidliche Etappe auf dem Weg dorthin. Zunächst hatte er wohl geglaubt, ohne die UMP auskommen zu können. Doch nun hofft er, mit der Partei im Rücken 2017 als Spitzenkandidat der Rechten, als Retter der „Grande Nation“ in den Präsidentschaftswahlkampf zu ziehen.

Wie sehr ihn sein Ehrgeiz antreibt, zeigte sich bei seinen Auftritten vor dem Parteivolk. Für Sarkozy scheint der Startschuss zum nächsten Präsidentschaftswahlkampf schon gefallen zu sein. Vor der Wahl 2007 hatte er noch an die Adresse derer, die ihn als impulsiv und sprunghaft rügten, erklärt: Ich habe mich geändert. Mit derartigen Beteuerungen hielt er sich diesmal gar nicht mehr auf.

Wo immer er auch auftrat, zeigte sich Sarkozy als der Wirbelwind, als den man ihn aus seiner Amtszeit kennt. Je nach Stimmung des Publikums bediente er die Zuhörer mit improvisierten Erklärungen, Halbwahrheiten oder erfundenen Zahlen und Zitaten. So behauptete er zum Beispiel, 2012 hätten alle Gewerkschaften zur Stimmabgabe für François Hollande aufgerufen.

Alain Juppé ist sein schärfster Gegner

Doch nur die kommunistisch orientierte CGT hatte sich klar für den Linken ausgesprochen. Den Mitgliedern eines reaktionären katholischen Verbandes versprach er, das Gesetz über die Homo-Ehe wieder aufzuheben. Dabei müsste er als Jurist wissen, dass der Verfassungsrat dies niemals zulassen könnte. Das alles wurde noch von einem Pfeifkonzert übertroffen, mit dem seine Anhänger den Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé, niedermachten.

Der 69-jährige ehemalige Premierminister ist Sarkozys gefährlichster Gegner. Bei einer nicht nur auf die UMP begrenzten Vorwahl zur Nominierung des Kandidaten der Rechten für 2017 hätte Juppé die besseren Chancen.

Laut Umfragen genießt Juppé nicht nur Sympathie bei Anhängern der Rechten und des Zentrums, sondern auch auf der Linken, während die Zustimmung für Sarkozy hauptsächlich aus dem harten Kern der UMP kommt.

Ob diese noch oder wieder so groß ist wie 2004, als die Partei ihn mit einer klaren Mehrheit von 85 Prozent zu ihrem Chef wählte, wird sich an diesem Wochenende zeigen.

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