Frankreich : Plakate anbringen erlaubt

In Frankreich hat heute offiziell die heiße Phase des Wahlkampfes um die Nachfolge von Präsident Jacques Chirac begonnen. Zwei Wochen vor der Präsidentenwahl sind noch 18 Millionen Wahlberechtigte unentschlossen.

Paris - Die zwölf Bewerber um das Präsidentenamt dürfen jetzt in einer ausgelosten Reihenfolge vor den etwa 65.000 Wahlbüros ihre Plakate anbringen. Fernsehen und Radios strahlen die kurzen Wahlkampfspots der Kandidaten in den kommenden beiden Wochen nach einem präzise festgelegten Schlüssel aus. Jeder Bewerber hat im öffentlichen Fernsehen und Radio insgesamt 45 Minuten "Redezeit", die er in Clips von bis zu fünfeinhalb Minuten aufteilt. Die meisten der Kandidaten erhöhen in dieser Woche auch die Zahl ihrer Wahlauftritte.

Den Anfang bei den Wahlkampfspots machte der Ex-Bauernführer und Globalisierungskritiker José Bové. Frankreich wählt am 22. April und 5. Mai für fünf Jahre einen neuen Staatschef. Chirac, seit 1995 im Amt, tritt nach zwei Mandaten nicht wieder an. Nach den Umfragen liegt der konservative Nicolas Sarkozy weiter klar vor der Sozialistin Ségolène Royal. Es folgen der Zentrumspolitiker François Bayrou sowie der Chef der rechtsextremen Nationalen Front (FN), Jean-Marie Le Pen. Sarkozy würde nach den Befragungen Royal in der Stichwahl eindeutig schlagen, Bayrou gegen alle Rivalen gewinnen.

42 Prozent unentschieden

Zwei Wochen vor der Präsidentenwahl wissen aber 18 Millionen Wahlberechtigte noch nicht, welchem der 12 Kandidaten sie am 22. April ihre Stimme geben werden. Diesen sehr hohen Anteil von Unentschiedenen - rund 42 Prozent der Wahlberechtigten - ergaben zwei am Ostersonntag veröffentlichte Umfragen. "Das sind immerhin zehn Prozentpunkte mehr als im Jahr 2002 rund zwei Wochen vor der Wahl", erläuterte Frédéric Dabi von dem Meinungsforschungsinstitut Ifop.

Dabi wertete dies als "Unsicherheit, was das Angebot anbetrifft". Viele Wähler fragten sich offensichtlich, ob die Kandidaten "auf der Höhe seien, das Staatsamt auszufüllen". Die Millionen Unentschlossenen erhöhen die Spannung und die Möglichkeit überraschender Ergebnisse, so wie im Jahr 2002, als Le Pen in die Stichwahl gegen Chirac einzog. Le Pen suchte an Ostern einmal mehr die harte Provokation, indem er den ungarnstämmigen Sarkozy einen Bewerber "aus der Immigration" nannte. (tso/dpa)

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