Frankreich : Rosenkrieg überrascht Sozialisten

Die vor kurzem bei den Präsidentschaftswahlen gescheiterte Ségolène Royal hat ihren langjährigen Lebensgefährten François Hollande vor die Tür gesetzt - und macht ihm nun auch noch den Chefsessel der Sozialisten streitig.

Royal
Hollande, Royal: Politiker-Paar mit Vergangenheit. -Foto: AFP

ParisDie Bombe platzte, als Frankreichs Sozialisten ihren Überraschungserfolg bei der Parlamentswahl gerade so richtig feiern wollten: Die Ex-Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal trennt sich von ihrem Lebenspartner und Parteichef François Hollande, weil dieser eine Affäre mit einer anderen Frau haben soll. Nun muss sich Royal vorwerfen lassen, den oppositionellen Sozialisten den Wahlabend vergällt zu haben - aus Rache an Hollande und möglicherweise Berechnung, weil sie selbst die Führung der Sozialistischen Partei (PS) übernehmen will.

"Ich habe von François Hollande verlangt, die Wohnung zu verlassen und seine Liebesgeschichte für sich auszuleben, die nunmehr in den Büchern und Zeitungen ausgebreitet wird", sagte Royal in einem Interview für das Buch "Les coulisses d'une défaite" ("Die Hintergründe einer Niederlage"). Nach fast drei Jahrzehnten des Zusammenlebens wünschte sie dem Vater ihrer vier Kinder, "dass er glücklich ist" - und bestätigte erstmals, dass sie seine Nachfolge an der Spitze der größten französischen Oppositionspartei anstrebt.

Hollande soll Jospin für Präsidentschaftskandidatur bevorzugt haben

Hatte die Wahl überraschend deutliche Mandatsgewinne statt Verlusten gebracht, habe Royal mit ihrer Ankündigung den Wahlabend "vergiftet", zitierte die Hauptstadt-Presse Vertreter der Sozialisten. "Nachdem sie ihrem Ex-Lebenspartner im gemeinsamen Heim die Tür gewiesen hat, hat sie nun den Ehrgeiz, dasselbe (im Parteisitz) in der Rue de Solférino zu machen", schrieb die linke Zeitung "Libération".

Hollande sieht sich allerdings schon seit Royals Scheitern bei der Präsidentschaftswahl unter Druck, die Parteiführung nach zehn Jahren abzugeben. Er habe ihre Bewerbung von Anfang an nicht gewollt und eine Gegenkandidatur von Ex-Premier Lionel Jospin ins Spiel gebracht, schreibt die "Le Monde"-Journalistin Raphaëlle Bacqué in ihrem Buch "La Femme fatale". "Wenn du Jospin holst, um mich zu stoppen, wirst du Deine Kinder nie wiedersehen", soll Royal darauf gedroht haben.

Montebourg kommt Hollande-Witz teuer zu stehen

Als Royal sich dann durchsetzte, lief die Zusammenarbeit zwischen Präsidentschaftskandidatin und Erstem Sekretär mehr schlecht als recht. Hollande weigerte sich, die Wahlkampfführung zu übernehmen. Einen Vorschlag des Finanzfachmanns für eine Reichensteuer ließ Royal schnell wieder in der Versenkung verschwinden. Die Beziehungsprobleme wurden öffentlich, als Royal-Sprecher Arnaud Montebourg in einer Talk-Show witzelte, die Kandidatin habe nur "einen Fehler - nämlich ihren Begleiter". Royal entband ihn darauf von seinen Aufgaben - für einen Monat.

Nach der ersten Runde der Parlamentswahl, die einen Erdrutschsieg der Konservativen von Präsident Nicolas Sarkozy befürchten ließ, platzte dann dem Abgeordnete Manuel Valls der Kragen: Er habe "genug davon, dass sich das politische Leben und vor allem das der Partei um das Leben eines Paares dreht". Er dürfte zufrieden sein, dass es nun klare Verhältnisse gibt. Zur Kritik am Termin sagte Royal, sie habe "nicht gewünscht, dass diese Informationen während der Ergebnisse der Parlamentswahl veröffentlicht werden". Sie sollten demnach erst im Laufe der Woche bekannt werden.

Das hätte für Hollande aber wohl nur einen kleinen Unterschied gemacht. Die Bombe wäre noch immer vor der wichtigen Sitzung des Parteirates am kommenden Samstag geplatzt. Dann will Hollande seinen Fahrplan bis nach den Kommunalwahlen im März 2008 vorstellen - mit ihm selbst weiter an der Spitze der PS. Kann er sich im Parteirat keine klare Unterstützung holen, dürfte es für ihn schwierig werden, sich bis 2008 zu halten. Und Royal dürfte dann an vorderster Front für seine Ablösung streiten.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben