Frankreich : Rufmord-Affäre wirft Schatten auf Sarkozy

In der verzweigten Rufmord-Affäre um die Firma Clearstream hat die französische Justiz auch die Kanzlei von Nicolas Sarkozys Anwalt ins Visier genommen. Es geht um japanische Konten des scheidenden Chiracs und um belastendes Material gegen Sarkozy.

Paris - Wie Anwalt Thierry Herzog sagte, erhielt er Besuch von einer Untersuchungsrichterin und einem Technik-Experten. Auf der Suche nach einem Justiz-Leck statteten Untersuchungsrichter auch der Wochenzeitung "Le Canard Enchaîné" einen Besuch ab. Weil sich die Redaktion weigerte, ihre Büros zu öffnen, warteten die Ermittler zunächst auf einen Schlüsseldienst.

Nach Angaben von Herzog fanden die Richterin und der Experte in seiner Kanzlei heraus, dass die Übertragungszeit eines Vernehmungsprotokolls von Herzogs Faxgerät nicht mit der Zeit übereinstimmte, die das Senden des an den "Canard Enchaîné" gefaxten Textes tatsächlich gedauert hatte. Die Richterin habe daher "festgestellt, dass die Dokumente nicht von diesem Gerät aus gesendet worden sein konnten", sagte der Jurist. Die Zeitung hatte am 10. Mai 2006 aus dem damals zwei Monate alten Protokoll einer Vernehmung des langjährigen Geheimdienst-Generals Philippe Rondot zitiert.

Auch beim "Canard Enchaîné" suchten die Ermittler nach Angaben von Chefredakteur Claude Angeli ein Dokument von Rondot. In dem Text ging es laut Angeli um mutmaßliche Geheimkonten des scheidenden Staatschefs Jacques Chirac in Japan. Rondot gilt als Schlüsselzeuge in der Rufmord-Affäre um vermeintliche Schwarzgeldkonten von Politikern. Der scheidende Premierminister Dominique de Villepin soll den Geheimdienstler Anfang 2004 beauftragt haben, belastendes Material gegen Sarkozy zusammenzutragen. Der frühere Innenminister Sarkozy wurde gerade zum neuen Staatschef gewählt. (tso/AFP)

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