Frankreich : Sarkozy - allein gegen Marine Le Pen

Nicolas Sarkozy hält sich für den einzigen Politiker in Frankreich, welcher der Front-National-Chefin Marine Le Pen das Wasser reichen kann. Seit der ersten Runde der Départementswahl darf er sich bestätigt fühlen. Nun droht aber ein gefährlicher rhetorischer Überbietungswettbewerb zwischen dem Ex-Präsidenten und Marine Le Pen. Ein Kommentar.

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Erfolg bei den Départementswahlen: Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy.
Erfolg bei den Départementswahlen: Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy.Foto: AFP

So kann man sich täuschen. Marine Le Pen, die Chefin des rechtsextremen Front National, möchte 2017 Frankreichs Präsidentin werden. Bis zum vergangenen Wochenende hatte sie gedacht, diesem Ziel am Sonntag ein Stück näher zu sein. Doch es ist anders gekommen. Nach der Départementswahl im Nachbarland kann sich nicht Marine Le Pen Chancen ausrechnen, in zwei Jahren in den Elysée-Palast einzuziehen, sondern ein Politiker, der eigentlich schon als abgeschrieben galt: Nicolas Sarkozy, den die Franzosen 2012 aus dem Amt jagten, feiert sein Comeback.
Eigentlich kommt den Départementswahlen, in denen gewissermaßen die Kreistage Frankreichs zur Abstimmung stehen, keine große Bedeutung zu. Aber seit der Front National vor zehn Monaten bei der Europawahl zur stärksten Kraft im Land wurde, fragen sich nicht nur die Menschen in Frankreich, wo der Siegeszug von Marine Le Pen noch enden soll. Deshalb stilisierten alle großen Parteien – die regierenden Sozialisten, die oppositionelle UMP und vor allem auch der Front National selbst – die Abstimmung zu einer Testwahl hoch. Zwar blieb etwa jeder zweite Wahlberechtigte am vergangenen Sonntag der Abstimmung fern. Aber die Mobilisierung war stark genug, um eine eindeutige Diagnose zu stellen: Das Herz der Franzosen schlägt derzeit ziemlich weit rechts.

Sarkozy mangelt es nicht an Ego

Überraschend deutlich hat Sarkozys UMP bei der Abstimmung, die am kommenden Sonntag noch in die Stichwahl geht, den Front National und die Sozialisten auf die Plätze verwiesen. Sarkozy, dem es an Ego nicht mangelt, darf sich damit in seiner Sicht der Dinge bestätigt fühlen. Der Ex-Präsident sieht sich in der Rolle des einzigen Vollblutpolitikers im Nachbarland, der das Zeug hat, Marine Le Pen den Weg in den Elysée-Palast zu versperren. Anders als zahlreiche gemäßigte UMP-Führungsleute ist der frühere Staatschef der Ansicht, dass man den Front National nur mit seinen eigenen Waffen schlagen kann. Sarkozy ist kein Rechtsextremer, aber gelegentlich benutzt er Parolen, die auch vom Front National stammen könnten: Sollen Studentinnen an der Uni Kopftuch tragen? Nein danke. Ein Alternativ-Gericht zum Schweinefleisch für Muslime in der Schulkantine? Weg damit!
Es ist eine gefährliche Strategie, die Sarkozy da verfolgt. Er mag darauf spekulieren, dass viele Wähler im bürgerlichen Lager davor zurückschrecken, das Front-National-Original zu wählen. Er mag auch auf eine Art „Berlusconi-Faktor“ setzen – hatten nicht die Italiener 2008 ihren „Cavaliere“ trotz aller Skandale wider Erwarten ein viertes Mal ins Regierungsamt zurückbefördert? Allerdings muss Sarkozy auch eines klar sein: Er geht das Risiko ein, den Front National weiter salonfähig zu machen, wenn er dessen Wählern nach dem Mund redet.

Nächste Etappe: Regionalwahlen im Dezember

Der Wahlsieger vom Sonntag hat dabei seine nächsten Etappen schon klar vor Augen: Zunächst will er im Dezember die UMP auch bei der Regionalwahl zum Erfolg führen, bevor er dann seine innerparteilichen Konkurrenten im kommenden Jahr bei der anstehenden Urwahl aus dem Feld schlagen möchte. Auf dem ersehnten Sprung in den Elysée-Palast läuft er aber Gefahr, sich auf einen rhetorischen Überbietungswettbewerb mit Marine Le Pen einzulassen. Inwieweit das ganze Land dabei Maß und Mitte in Europa verliert – das wäre die nächste Frage, die sich demnächst stellen könnte.

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