Frankreich : Sarkozy denkt über Abschied nach

Vor Journalisten ließ Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy bei einer Reise nach Französisch-Guayana die Bemerkung fallen, er stehe "vor dem Ende". Jetzt rätselt ganz Frankreich, wie er das gemeint hat.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy erwägt im Fall einer Niederlage bei der Präsidentschaftswahl einen Abschied von der Politik.
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy erwägt im Fall einer Niederlage bei der Präsidentschaftswahl einen Abschied von der Politik.Foto: Reuters

Manchmal überkommt Nicolas Sarkozy Wehmut. Dann spricht Frankreichs Präsident davon, dass es für ihn außer der Politik auch noch anderes im Leben gebe. Jetzt war es wieder einmal so weit. „Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich mich mit dem Ende meiner Karriere konfrontiert“, sagte er zu den Journalisten, die ihn auf seiner Reise nach Französisch-Guayana begleiteten. Auf den Einwand von einem der 14 Gesprächsteilnehmer, dass er im Fall eines Sieges bei der bevorstehenden Präsidentschaftswahl doch noch fünf Jahre im Amt vor sich habe, sagte er: „Fünf Jahre, das ist nichts. Das Leben geht so schnell vorbei. Ich stehe jedenfalls vor dem Ende.“ Im Falle eines Scheiterns werde er sich aus der Politik vollständig zurückziehen. „Ihr werdet nichts mehr von mir hören.“

Es war ein vertrauliches Gespräch. Daraus hätte der Präsident nach den geltenden Regeln des Metiers der Journalisten nicht zitiert werden dürfen. Doch „Le Monde“ setzte sich am Dienstag als erste Zeitung über die vereinbarte Vertraulichkeit hinweg, die anderen Blätter folgten am Mittwoch. Damit musste Sarkozy bei einem so großen Zuhörerkreis rechnen.

In den Umfragen rangiert Sarkozy weiter hinter seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande. Sarkozys Freunde drängen ihn, seine Kandidatur endlich offiziell zu erklären, um den Trend umzukehren. Doch Sarkozy hält sich damit noch zurück. Einige Beobachter vermuten, dass er damit den Ruf nach seiner Kandidatur noch verstärken will. Seinen Zuhörern vertraute er übrigens auch an, dass er sich auch ein Leben mit seiner Frau und Tochter vorstellen oder wie Bill Clinton und Gerhard Schröder viel Geld verdienen könnte. Derartige Überlegungen veranlassten den Politologen Roland Cayrol zu dem Wortspiel, dass es sich bei Sarkozys Wehmut nicht um einen Augenblick der Wahrheit, sondern nur um „die Wahrheit eines Augenblicks“ handeln dürfte.

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