Frankreich : Sarkozy will sich in Zukunft mehr zurückhalten

Nicolas Sarkozy versucht, mit symbolischen Gesten von nationaler Bedeutung die schwere Schlappe seiner Regierungspartei UMP bei den Kommunal- und Kantonalwahlen vergessen zu machen. Er will als Präsident aller Franzosen verlorenen Boden wettmachen.

Hans-Hagen Bremer

ParisFrankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat am Montag im Invalidendom in Paris an einem Trauergottesdienst für den vergangene Woche verstorbenen letzten französischen Veteranen des Ersten Weltkrieges, Lazare Ponticelli, teilgenommen. Am heutigen Dienstag wird Sarkozy bei einer Feierstunde auf dem Plateau von Glières in den Savoyer Alpen, einem Zentrum der Résistance im Zweiten Weltkrieg, des Widerstands gegen die deutsche Besatzung gedenken. Beide Ereignisse sind für den Präsidenten Gelegenheiten, mit symbolischen Gesten von nationaler Bedeutung die schwere Schlappe seiner Regierungspartei UMP bei den Kommunal- und Kantonalwahlen vergessen zu machen und als Präsident aller Franzosen verlorenen Boden wettzumachen.

Nach den am Montag vom Innenministerium veröffentlichten Ergebnissen löste die Linke bei diesem ersten landesweiten Urnengang seit Sarkozys Amtsantritt in 38 großen Städten die dort bisher regierende Rechte ab. Sie wird künftig in 183 Städten mit mehr als 30 000 Einwohnern den Bürgermeister stellen, die Rechte nur noch in 124. Bei den Kantonalwahlen gingen neun Departements nach links, womit künftig 60 der 101 Departements von der Linken kontrolliert werden. Da die Sozialisten seit 2004 bereits 20 der 22 Regionen regieren, ergibt sich eine neue politische Konstellation mit einer lokal und regional dominierenden Linken „von beträchtlicher Schlagkraft“ (Le Figaro) gegenüber der auf nationaler Ebene regierenden Rechten.

Doch wegen der niedrigen Wahlbeteiligung hält man im Élysée weder Kurskorrekturen noch personelle Umbesetzungen für geboten. Durch die Schaffung einiger zusätzlicher Staatssekretariate etwa für Industrie oder Raumordnung solle die Aktion der Regierung „sichtbarer“ gemacht werden, sagte Élysée-Generalsekretär Claude Guéant, an ihrer „Architektur“ werde jedoch nicht gerührt. Änderungen wurden indes bei Sarkozys Stil angedeutet. Der Präsident wolle sein Amt künftig mehr in der „klassischen Art“ seiner Vorgänger ausüben, hieß es. Hans-Hagen Bremer

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