Politik : Frankreich stockt Hilfe zur Beseitigung der Orkanschäden auf

Edf. Eric Bonse

Knapp drei Wochen nach den verheerenden Weihnachtsstürmen hat der französische Premierminister Lionel Jospin ein Milliardenprogramm zur Beseitigung der Orkanschäden vorgelegt. Es sieht staatliche Direkthilfen in Höhe von 4 Milliarden Francs (umgerechnet 1,2 Milliarden Mark) sowie vergünstigte Darlehen für die Forstwirtschaft in Höhe von 12 Milliarden Francs vor. Jospin stockte damit die bereits im Dezember gewährte Soforthilfe von 140 Millionen Francs drastisch auf.

Der französische Premier will es allerdings nicht bei finanziellen Hilfen belassen. Am kommenden Mittwoch will er ein umfangreiches Umwelt-Programm gegen den Treibhauseffekt bekanntgeben. Nach Pariser Presseberichten enthält es neben der seit langem geplanten Ökosteuer, die erst ab dem Jahr 2001 wirksam werden soll, auch eine europaweite freiwillige Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit für Kraftfahrzeuge. Zudem wird in Paris eine Erhöhung der Benzinsteuern erwogen.

Obwohl noch kein wissenschaftlicher Beweis vorliegt, geht die französische Regierung offenbar davon aus, dass die verheerenden Unwetter der letzten Wochen mit dem Treibhauseffekt zusammenhängen. Frankreich erfüllt die im japanischen Kyoto 1997 beschlossenen Klimaschutzvorgaben bereits jetzt weitgehend - dank des Verzichts auf Kohlekraftwerke und der fast vollständigen Versorgung durch Atomstrom. Nach einer vorläufigen Bilanz wurden bei den Orkanen vom 26. und 27. Dezember mehr als 250 Millionen Bäume vernichtet. Dies sind fünf Prozent des Waldbestands in Frankreich. Zum Teil dürften Jahrzehnte, in manchen Gebieten sogar hundert Jahre vergehen, bis der Waldbestand des Jahres 1999 wiederhergestellt ist. Nach Angaben von Historikern und Forstexperten ist der Verlust in der französischen Geschichte einmalig. Unklar ist noch, welche Lehren Frankreich für Wiederaufforstung und Wiederaufbau zieht. Nach Ansicht von Kritikern sind die Waldschäden zum Teil auf übertriebene Monokulturen zurückzuführen. Auch das stark zentralisierte, durch zahlreiche Überlandleitungen sturmanfällige Stromnetz Frankreichs wurde kritisiert.

Als anfällig hat sich ferner das Kernkraftwerk Blayais in der Nähe von Bordeaux erwiesen: Beim Dezember-Orkan wurde das Kraftwerksgelände überschwemmt, die Techniker meldeten einen Störfall der Stufe 2. Die Gefahr einer AKW-Panne habe allerdings nicht bestanden, heißt es beim Betreiber

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