Frankreich : Studentenproteste weiten sich aus

Mit Demonstrationen und der Blockade weiterer Hochschulen haben die französischen Studenten ihren Druck auf die Regierung zur Rücknahme der Arbeitsmarktreform erhöht.

Paris - Premierminister Dominique de Villepin rief die Studenten und Gewerkschaften zum Dialog auf. «Wir sind alle mobilisiert, um auf die Sorgen der jungen Leute einzugehen und sie besser auf ihrem Weg zu einer Beschäftigung zu begleiten», sagte er zu dem neuen Aktionstag der Schüler und Studenten. Er reagierte damit auf die Aufforderung von 46 Universitätspräsidenten, das Gespräch mit den Reformgegnern zu suchen. Am Freitag will Villepin mit den Hochschulleitern sprechen.

Gut zwei Drittel der Hochschulen waren am Donnerstag von den Protesten erfasst. Die Zahl der völlig blockierten Universitäten stieg der Regierung zufolge von 17 auf 21. In zahlreichen Städten kam es zu Demonstrationen mit jeweils Tausenden von Teilnehmern. In Toulouse lieferten sich Uni-Besetzer unter Einsatz von Tränengas und Feuerlöschern eine Schlacht mit Dutzenden Studenten, die die Blockaden durchbrechen und ihr «Recht auf Studium» durchsetzen wollten. Der Leiter der Hochschule schloss daraufhin das Institut.

"Angriff auf die Rechte des Einzelnen"

Angesichts der Ausschreitungen der Vortage forderte die Polizeigewerkschaft Alliance von Innenminister Nicolas Sarkozy «klare Instruktionen für das Vorgehen gegen professionelle Provokateure». Die Einsatzkräfte waren angewiesen, sich gegen Demonstranten zurückzuhalten. Die Gewerkschaften erklärten sich mit den Studenten solidarisch. Sie wollen am Samstag mit einem weiteren Aktionstag gegen den «Vertrag zur Ersteinstellung» (CPE) mobil machen.

62 Prozent der Franzosen halten nach einer Umfrage die Proteste für berechtigt. Der Erzbischof von Dijon, Roland Minnerath, nannte den CPE, der die Probezeit für Arbeitnehmer unter 26 Jahren auf zwei Jahre ausgedehnt, einen «Angriff auf die Rechte des Einzelnen». Ein Unternehmen müsse zwar entlassen dürfen, doch Entlassungen ohne Begründung verletzten die Würde des Mitarbeiters. Das Gesetz diskriminiere zudem die Jungarbeitnehmer, sagte der Bischof unter Hinweis auf die Europäische Menschenrechtskonvention.

Arbeitsminister Gérard Larcher erklärte: «Meine Tür steht offen, um mit den Sozialpartnern über Anpassungen des CPE zu sprechen.» Sarkozys Berater Patrick Devedjian nannte den CPE «ein modulierbares Experiment» und erklärte: «Wenn das nicht funktioniert, darf man nicht starrköpfig darauf beharren.» (tso/dpa)

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