Frankreich : Unbefristeter Streik stürzt Paris ins Chaos

Auch in Frankreich streiken die Eisenbahner - allerdings auf einem anderen Niveau als in Deutschland. Sie fordern die Beibehaltung der Rente mit 50 und streiken dafür flächendeckend und unbefristet. In Paris gab es dadurch 200 Kilometer Stau.

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Eisenbahner-Demo in Paris. -Foto: dpa

ParisEin unbefristeter Arbeitskampf der Eisenbahner gegen den Reformkurs von Präsident Nicolas Sarkozy hat Frankreich am ersten Streiktag in ein Verkehrschaos gestürzt. Nach Angaben der Staatsbahn SNCF verkehrten am Mittwoch nur etwa 90 von üblicherweise 700 Hochgeschwindigkeitszügen (TGV). In Paris fuhr nur etwa jede fünfte U-Bahn. Auf den Straßen der Hauptstadt staute sich der Verkehr auf einer Gesamtlänge von mehr als 200 Kilometern. Der Ausstand werde diesen Donnerstag fortgesetzt, teilten die Gewerkschaften mit. Der Protest richtet sich gegen die geplante Abschaffung der Rentenprivilegien für Beschäftigte in öffentlichen Betrieben.

Bereits vor gut vier Wochen hatte ein Streik der Eisenbahner den Verkehr in Frankreich lahmgelegt. Das Kräftemessen mit den Gewerkschaften sechs Monate nach seinem Amtsantritt ist eine wichtige Machtprobe für Sarkozy. In dem Konflikt zeichnete sich am Mittwochnachmittag Bewegung ab. Sarkozy beauftragte Arbeitsminister Xavier Bertrand, Verhandlungen zwischen Unternehmen, Regierung und Gewerkschaften vorzubereiten. Die Regierung hatte es bisher abgelehnt, sich zu Gesprächen zwischen Unternehmen und Arbeitnehmervertretern mit an den Tisch zu setzen. Vor allem die mächtige Gewerkschaft CGT hatte eine "globale" Lösung gefordert.

Die Regierung will eine Reform der teils jahrhundertealten Rentenprivilegien für Staatsbedienstete durchsetzen. Etwa eine halbe Million Beschäftigte hat derzeit Aussicht darauf. Lokführer beispielsweise können im Schnitt mit 50 Jahren in Rente gehen, ohne Abschläge hinnehmen zu müssen. Sarkozy und sein Premierminister François Fillon haben mehrfach betont, dass sie an ihrer Reform im Kern nichts mehr ändern wollen.

Proteste gegen Hochschulreform

Tausende Menschen demonstrierten am Mittwoch in Städten wie Marseille, Rouen oder Paris gegen das Vorhaben. An einem knappen Drittel der Universitäten machten viele Studenten ihrem Unmut über eine bereits verabschiedete Hochschulreform mit Blockadeaktionen Luft. Umfragen zufolge hält die Mehrheit der Franzosen den Streik aber für "nicht gerechtfertigt".

Auch an anderen Staatsbetrieben wie den Gas- und Stromwerken und der Pariser Oper legten die Beschäftigten die Arbeit nieder. Der Zugverkehr zwischen Deutschland und Frankreich war ebenfalls gestört. Zwischen Paris und Frankfurt/Main sowie Stuttgart fielen mehrere Züge aus. Beim Hochgeschwindigkeitszug Thalys zwischen Paris und Köln kam es zu Verspätungen. Auch die Fahrpläne der Busse, Straßenbahnen und der Vorortzüge RER konnten nicht eingehalten werden. (mit dpa)

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