Politik : Frankreichs Presse druckt islamfeindliche Karikaturen ab

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Kopenhagen/Paris/Kairo - Der Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen hat sich am Mittwoch mit neuen Massendemonstrationen in islamischen Ländern, aber auch der erneuten Veröffentlichung der Zeichnungen in Frankreich ausgeweitet. In Paris begründete die Boulevardzeitung „France-Soir“ den Abdruck der von Muslimen in aller Welt heftig kritisierten zwölf Karikaturen auf der Titelseite mit dem Satz: „Ja, man hat das Recht, Gott zu karikieren.“ In Tunis hatten 17 Innenminister aus den Ländern der Arabischen Liga am Vorabend von der Regierung in Kopenhagen die Bestrafung der Verantwortlichen für die schon vier Monate zurückliegende Veröffentlichung im dänischen Blatt „Jyllands-Posten“ verlangt. Erstmals verurteilte auch die Regierung in Indonesien, dem größten islamischen Land der Welt, die Veröffentlichung der Karikaturen.

In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa demonstrierten zehntausende Frauen. Wütende Studentinnen verbrannten dänische Fahnen. Sie trugen Transparente wie „eine Beleidigung unseres Propheten ist eine Beleidigung für uns“ und „Unterstützt den Islam durch den Boykott dänischer Produkte“. Dänemark exportiert viele Milchprodukte.

Der Chefredakteur von „Jyllands-Posten“, Carsten Juste, sagte zu den Straßenprotesten, Boykottaktionen sowie regierungsamtlichen Angriffen aus arabischen Ländern: „Ich muss zutiefst beschämt zugeben, dass die anderen gewonnen haben.“ Er hätte nie die Zustimmung zum Abdruck gegeben, wenn ihm die Folgen damals klar gewesen wären. Das Blatt wollte nach eigenen Angaben ein Zeichen gegen Selbstzensur aus Angst vor islamistischem Druck setzen. Am Abend gab es eine erneute Bombendrohung in der Redaktion. Dänemarks Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen meinte, sein Land müsse es nun „mit nicht steuerbaren Kräften“ aufnehmen. dpa

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