Franz-Peter Tebartz-van Elst : Kirchlicher Bericht belastet Limburger Bischof

Eine Geheimwohnung, vom Bischof unterschriebene Dokumente und noch viel höhere Kosten: Ein kirchlicher Bericht soll Tebartz-van Elst schwer belasten. Wie geht es jetzt weiter mit dem Limburger Bischof?  

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Foto: dpa
26.03.2014 13:53Der Papst hat entschieden: Limburg bekommt einen neuen Bischof, der umstrittene Kirchenmann Franz-Peter Tebartz-van Elst wird...

Im Oktober hatte Papst Franziskus den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst vorübergehend in Zwangsurlaub geschickt. Van Elst war wegen des Baus einer neuen Bischofsresidenz für 31 Millionen Euro in die Schlagzeilen geraten. Zurzeit arbeitet eine fünfköpfige Untersuchungskommission im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz an einem Bericht, der klären soll, wie teuer der Bau wirklich ist, wie er finanziert wurde und wer welche Entscheidungen traf. Jetzt berichtet das Nachrichtenmagazin „Spiegel“, dass die kirchlichen Ermittler Tebartz-van Elst schwer belasten. Aufgrund des Berichts will der Papst über die Zukunft des Bischofs entscheiden

Sind die Ergebnisse des Prüfberichts bereits bekannt?

Der Bericht soll Ende Februar fertig sein und an die Bischofskonferenz und nach Rom geschickt werden. Vorher wird die Öffentlichkeit nichts Offizielles erfahren. In der Kommission unter Vorsitz des Paderborner Weihbischofs Manfred Grothe arbeiten Michael Duus vom Bauingenieursdienstleister WSP Deutschland, Wirtschaftsprüfer Josef Gronemann, Michael Himmelsbach, Leiter der Abteilung Finanzen im Erzbistum Freiburg, und Lorenz Wolf, Kirchenjurist. Sie haben ihre Ermittlungen abgeschlossen und eine Rohfassung des Berichts erstellt. Momentan feilt das Gremium an der Bewertung. Der „Spiegel“ schreibt nun, die kirchlichen Ermittler hätten in einer eigens angemieteten Wohnung eine „Geheimregistratur“ gefunden mit Unterlagen zur Finanzierung der Bischofsresidenz, die der Bischof unterschrieben habe. Daraus gehe hervor, dass Gelder aus mindestens einer kirchlichen Stiftung für den Bau zweckentfremdet worden seien. Auch sei alles noch viel teurer geworden als die öffentlich bekannten 31 Millionen Euro.

Wie ernst sind die Enthüllungen zu nehmen?

Da der Untersuchungsbericht so wichtig ist für die Zukunft des Limburger Bischofs, kämpfen seit vier Wochen seine Gegner und Freunde um die Deutungshoheit – auch indem sie der Presse angebliche Details aus dem Bericht zustecken. Vor zwei Wochen schrieb das Nachrichtenmagazin „Focus“ unter Berufung auf wichtige Vatikankreise, dass die kirchlichen Ermittlungen ergeben hätten, dass dem Bischof weder Geldverschwendung noch das Übergehen von Kontrollgremien vorzuhalten sei. Die Bischofskonferenz dementierte den Bericht umgehend.

An den jüngsten Enthüllungen des „Spiegel“ ist wohl tatsächlich etwas dran. Gut informierte Kircheninsider bestätigen die Existenz einer „Geheimregistratur“. Tebartz-van Elst und sein vergangenes Jahr pensionierter Generalvikar hätten Unterlagen über die Finanzierung der Bischofsresidenz dorthin ausgelagert, um sie der Kontrolle zu entziehen. Im Dezember 2013 hatte sich Finanzdezernent Gordon Sobbeck in einem Interview gewundert, dass er bei seinem Amtsantritt im April 2012 „eine Struktur vorfand, die schon überraschte“. Er sei Dezernent für Finanzen, Verwaltung und Bau mit rund 180 Mitarbeitern, „doch die Baumaßnahmen auf dem Domberg wurden finanziell wie administrativ separat über den Bischöflichen Stuhl abgewickelt. Planung, Finanzierung und Abrechnung liefen getrennt vom normalen Verwaltungsapparat. Auch meine Vollmachten bezogen sich nicht auf den Bischöflichen Stuhl.“ Erst der vom Papst im Oktober eingesetzte Generalvikar Wolfgang Rösch habe den Bischöflichen Stuhl wieder in die Gesamtverwaltung überführt.

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