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Französischer Präsidentschaftswahlkampf : Juppé kommt wieder ins Spiel

Für den in Bedrängnis geratenen Kandidaten Francois Fillon könnte die Nummer zwei Alain Juppé einspringen. Das hätte auch Folgen für die anderen Kandidaten.

Falls der konservative Kandidat Fillon (l.) zurücktreten sollte, würde Parteikollege Juppé wohl einspringen.
Falls der konservative Kandidat Fillon (l.) zurücktreten sollte, würde Parteikollege Juppé wohl einspringen.Foto: Eric Feferberg/AFP/dpa

Was ein Politiker sagt oder verspricht, hat in Frankreich offenbar nicht viel Gültigkeit. Das zeigt sich in diesen Tagen immer häufiger. Der konservative Präsidentschaftskandidat François Fillon wollte eigentlich zurücktreten, sollte gegen ihn ein Ermittlungsverfahren in der Scheinarbeitsaffäre um seine Frau Penelope eingeleitet werden. Nun soll er am 15. März zur Aussage vor der Justiz vorgeladen werden – mit der Aussicht eines Verfahrens gegen ihn. Und was sagt Fillon? „Ich kämpfe weiter.“

Allerdings hat er ein Problem: In den vergangenen Tagen haben sich immer mehr Unterstützer abgewandt. Am Freitagabend verkündete zudem Fillons Wahlkampf-Leiter seinen Rücktritt. Dieser sei „unwiderruflich“ und trete Sonntagabend in Kraft, sagte Patrick Stefanini der Zeitung „Libération“.

Insgesamt wirkt es wie ein Signal, dass Ex-Premierminister Alain Juppé plötzlich signalisiert, dass er bereit sei einzuspringen, wie aus seinem Umfeld am Freitag verlautete. Beim Vorwahlkampf unterlag der Konservative gegen Fillon und ist damit die logische Nummer zwei. Noch vor Sonntag könnte er sich offiziell dazu bekennen, heißt es.

Auch was Juppé sagt, darf man also nicht so ernst nehmen. Denn noch vor einigen Wochen betonte er, er stehe nicht als Ersatzkandidat zur Verfügung. Nun also die Kehrtwendung. Plan J wie Juppé, wie es in Frankreich heißt, ist also wieder aktuell. Wie konnte es zu diesem Meinungsumschwung kommen? Denn noch bis vor Kurzem hieß es, es sei zu spät, einen neuen konservativen Präsidentschaftskandidaten einzusetzen. Zu zerstritten seien die Konservativen zwischen Ex-Präsident Nicolas Sarkozy und Juppé, um sich auf einen Kandidaten zu einigen. Doch in der Zwischenzeit soll dieses Hindernis aus dem Weg geräumt worden sein. Sarkozy, der auch gern Kandidat geworden wäre, soll das Einverständnis für Plan J gegeben haben. Damit werden die Karten im ohnehin ereignisreichen französischen Wahlkampf wieder neu gemischt.

Konkurrenz für Macron

Was bedeutet das für die beiden derzeitigen Umfrage-Favoriten, die Kandidatin der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, und den parteiunabhängige Kandidaten Emmanuel Macron? Für den Sozialliberalen Macron, der gerade erst sein Parteiprogramm vorgestellt hat, eher nichts Gutes. Denn Juppé ist Macron ähnlicher als Fillon. Er ist ein Konservativer der Mitte, ist viel gemäßigter als Fillon. Damit könnte er Macron einen Teil seiner Wählerschaft abnehmen, denen Fillon zu weit rechts war, die aber sonst eher Republikaner wählten.

Auch sonst verbindet Juppé und Macron vieles. Denn beide verhalten sich moderat und wenig aggressiv im Wahlkampf. Juppé, der als Außenminister unter Sarkozy sehr geschätzt war, wird wie eine graue Eminenz gesehen. Das kann ein Vorteil sein, aber auch ein Nachteil. Mit seiner Erfahrenheit drängt er den Newcomer Macron in die Enge. Andererseits profitiert Macron gerade davon, dass er als neue Hoffnung gilt, als ein Politiker, der außerhalb des Systems steht und frischen Wind ins reformunwillige Frankreich bringt. Das hat er am Donnerstag noch mal unterstrichen, als er im Fall seiner Wahl einen radikalen Umbau des Landes ankündigte. Le Pen dagegen könnte Fillon möglicherweise einige der erzkonservativen Wähler abnehmen, doch nach ersten Umfragen wäre auch sie eine Verliererin des Kandidatenwechsels.

Macron in Umfragen erstmals vor Le Pen

Eine Odoxa-Umfrage von Freitag sieht Juppé sogar schon als Favoriten im ersten Wahlgang mit 26,5 Prozent vor 25 Prozent für Macron und 24 Prozent für Le Pen. Auch diese Umfrage soll Juppé in seiner Entscheidung beeinflusst haben, doch wieder zur Verfügung zu stehen. Danach könnte Le Pen schon im ersten Wahlgang ausscheiden, falls Juppé wieder ins Spiel kommt. Allerdings liegen die drei extrem dicht zusammen.

Wenn Fillon bleiben würde, könnte Macron der Umfrage zufolge mit 27 Prozent auf Platz eins kommen, Le Pen auf 25,5 Prozent und Fillon auf 19 Prozent. Das ist das erste Mal, dass eine Umfrage Macron und nicht Le Pen im ersten Wahlgang an der Spitze sieht. In der Stichwahl hätte Le Pen aller Wahrscheinlichkeit nach ohnehin keine Chance. Denn sowohl Macron als auch Fillon oder Juppé liegen laut Umfragen weit vor Le Pen.

Die Zeit drängt für Juppé: Um antreten zu können, müssen die Kandidaten bis zum 17. März mindestens 500 Unterschriften von Unterstützern wie Abgeordneten oder Bürgermeistern vorlegen können.

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